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Langweile kommt nicht auf

Kolumne Bödeli-Info vom Juli 2014

Vor rund 30 Jahren hat sich die Jugend gegen die festgefahrenen Strukturen aufgelehnt. Es war die Zeit der sogenannten Opernhauskravalle in Zürich oder der Auseinandersetzungen rund um das Zaffaraya, den Gaskessel und die Reitschule in Bern in der zweiten Hälfte der 80er Jahre. Zur Zeit dieser Unruhen sass ich für eine liberale Gruppierung im Studentenparlament der Universität Bern. Ich war einer der Vertreter der Studentenschaft, der mit den damals übermächtig erscheinenden Professoren Lösungen aushandeln musste. In einer Zeit, als alles was von Studenten kam a priori verdächtig war. Ich konnte mir dort das notwendige Selbstvertrauen aneignen, um mich auch mit „grossen Tieren“ auseinanderzusetzen und nach Lösungen zu suchen. Vor allem habe ich gemerkt, dass es keinen Grund gibt, Probleme nicht anzupacken – auch dann nicht, wenn der Weg zur Lösung steinig und lang wird. Ich habe gelernt wie man vorgehen muss, um zum Teil festgefahrene Fronten aufzuweichen. Gepolter ist zwar oft zu Beginn notwendig, um auf das Problem aufmerksam zu machen, danach ist jedoch der konstruktive Weg einzuschalten. Verhandlungsgeschick, taktisch kluges Vorgehen und viel Geduld ist gefragt. Genau das habe ich später in meinem Beruf und in meiner damaligen Funktion als Verbandspräsident der schweizerischen Amts- und Spitalapotheker gebrauchen können. Ich bewegte mich im Haifischbecken der Pharmapolitik und musste mich mit den Arzneimittelbehörden und mit den übermächtig erscheinenden Lobbyisten der Pharmaindustrie auseinandersetzen. Zusammen mit meinen Berufskolleginnen und –kollegen hatte ich mich gegen einige Punkte des damals neu geschaffenen Heilmittelgesetzes gewehrt – zum Erstaunen von Vielen mit Erfolg. Es ist gelungen, nach grossem Widerstand die Industrie soweit zu bringen, dass sie uns am Schluss sogar unterstützt haben – gegen die Ansicht der Arzneimittelbehörde Swissmedic wurde das Heilmittelgesetz extra für die Spitäler geändert. In den letzten Jahren durfte ich Arbeitsgruppen leiten, die zum Ziel hatten die Patientensicherheit zu verbessern. Auch dort war Hartnäckigkeit gefragt. Obwohl wir uns mit der Industrie phasenweise nur via Medien Vorwürfe gemacht haben, ist es gelungen, ein gemeinsames Papier zu erstellen, das heute weitgehend in eine Verordnung eingeflossen ist. Das Resultat findet sogar international Beachtung. Warum ich das alles schreibe ? In den vergangenen Wochen haben mich viele Personen auf meine weitere politische Zukunft angesprochen. Politisch aktiv bleibe ich so oder so. Um Einfluss auszuüben brauche ich kein Amt, obwohl ich natürlich lieber direkt als indirekt agiere.

Es wurde mir auch gesagt, ich sei schlicht in der falschen Partei. Ich war vorher nie in einer Partei, weil in vielen das Kleben an der „klaren Parteilinie“ über allem steht. Eigenständiges Denken wird als Abweichung empfunden. Die Problembewirtschaftung wird zelebriert, die Lösungssuche ist nur dann gefragt, wenn es um das unmittelbar eigene Wohl geht. Die Fähigkeit Kompromisse zu schliessen wird vor allem von den Polparteien gar als Schwäche oder „Wischiwaschi“ dargestellt. Für mich ist genau das Finden tragbarer Lösungen ein klares Zeichen von Stärke und steht über dem sturen Einhalten vorgebeteter Programme. Deshalb habe ich mich dort angeschlossen wo das auch so gesehen wird und werde ich mich zur Erlangung eines Parlamentssitzes auch nicht verbiegen. Ein bisschen stur und stolz bin ich ja auch noch. Wenn’s dann nicht sein soll wird mir auch nicht langweilig.

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