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Wie die Wissenschaft während der Corona-Krise Wissen schafft

Der Versuch einer Klärung von Verwirrungen

Die Wissenschaft vermittelt zurzeit ein widersprüchliches Bild rund um das Corona-Virus. Für den Laien sind die Schlagzeilen aus der Forschung sehr schwer nachvollziehbar und verwirrend. Tempo ist gefragt. Gute Wissenschaft und Tempo schliessen sich gegenseitig fast aus. Der Prozess vom Studiendesign bis zur Veröffentlichung der durch unabhängige Experten geprüften Publikation dauert normalerweise ein bis mehrere Jahre. Viel zu lange in der aktuellen Situation.
Im Gegensatz zu reinen Behauptungen und Einzelfallberichten lebt Wissenschaft davon, Thesen statistisch erhärtet zu beweisen oder zu verwerfen, Resultate von bereits gemachten Studien zu hinterfragen und mit neuen Methoden zu widerlegen oder zu bestätigen. Je jünger die Forschung zu einem Thema ist, desto grösser sind die Widersprüche in den Resultaten von Studien. Dieses Coronavirus wurde erst Ende 2019 entdeckt. Um die Mechanismen der Verbreitung des Sars-Cov2 Virus zu verstehen und daraus fundierte Entscheidungen abzuleiten oder um an CoviD erkrankte Patientinnen und Patienten erfolgreich behandeln zu können,war Wissen sofort gefragt. Dadurch ist ein Wissenschaftswettbewerb entstanden, den wir in dieser Form bisher nicht kannten.
Die Frage war nun, wie Studienresultate der Fachwelt so rasch wie möglich und in trotzdem qualitativ hochstehender Form zur Verfügung gestellt werden können.
Anfang der 90er Jahre wurden die ersten sogenannten Preprint-Server eingeführt. Studien können dort praktisch ohne Hürden hochgeladen werden, um sie der Diskussion in der Fachwelt auszusetzen, auch um die Chancen auf die spätere Veröffentlichung in renommierten Fachzeitschriften zu erhöhen. Das war bis zu Corona eigentlich kein Problem. Da die Zeit drängt und die Öffentlichkeit auf DEN Durchbruch wartet, haben diese Preprint-Server eine neue Bedeutung erhalten: Einige Medien stürzen sich jeweils wie Geier auf neu hochgeladene Studien und verkünden dann in grossen Lettern, dass unveröffentlichte Studien ein bestimmtes Resultat gezeigt hätten. Preprint-Publikationen sind jedoch nicht für Schlagzeilen gedacht, da sie nicht bewertet und wissenschaftlich eingeordnet sind. Die dort entstehende Diskussion wird dann in der Presse zu einem Wissenschaftsstreit hochstilisiert. Das ist kein Streit sondern ein wissenschaftlicher Austausch mit dem Ziel, rasch qualitativ gute Forschungsresultate zu erzielen. Genau das ist Sinn und Zweck dieser Plattformen. Auch Journalisten grösserer Schweizer Tageszeitungen sind darauf schon angesprungen und haben die Diskussionen missbraucht, um die Kompetenz bestimmter Forscher anzuzweifeln. Leider dominieren Schlagzeilen über Preprint-Studien und Diskussionen die Corona-Berichterstattung, womit der gute Zweck dieses Verfahrens völlig verloren geht.
Normalerweise erfolgt nach dieser Preprint-Phase vor der definitiven Publikation eine sogenannte Peer-Review durch unabhängige Experten und Experten. Je renommierter die Fachzeitschrift, desto höher die Hürden. Normalerweise. Auch hier wurde das Verfahren deutlich abgekürzt, so dass Studien rund um das Coronavirus viel schneller – innert weniger Tage – zur Publikation gelangen. Mit dem Vorteil der schnelleren Verfügbarkeit der Daten, mit dem Nachteil, dass auch Studien publiziert werden, deren Resultate sich später als eher fragwürdig herausstellen.
Die Forschung ist gefragt sehr schnell qualitativ einwandfreie,nicht widerlegbare Resultate zu liefern. Die Forderung nach Geschwindigkeit hindert sehr oft gutes wissenschaftliches Handwerk. Aus diesen Verwirrungen generelle Schlüsse zur gesamten Forschungswelt zu ziehen wäre jedoch völlig verkehrt. Normal ist rund um Corona nicht viel. Auch nicht in der Wissenschaft.

« Je jünger die Forschung zu einem Thema ist, desto grösser sind die Widersprüche in den Resultaten von Studien.Das ist völlig normal»

Artikel zu Masken aus „Nature“ und dessen Konsequenzen für die Praxis

An meiner Aussage zu den Masken in meinem Blog vom 23. März 2020 ändert auch die in „Nature“ publizierte Studie nichts. Dazu muss ich etwas ausholen…
Hier die Studie zum Nachvollzug meiner Aussagen : https://www.nature.com/articles/s41591-020-0843-2#Tab2. In der Studie wurde die Wirksamkeit von chirurgischen Masken getestet auf die Reduktion der Virenlast in Tröpfchen und Aerosolen bei infizierten Patienten. Dabei wurden neben Influenza- und Rhinoviren auch „alte“ Coronaviren zugezogen (keine neuen Coronaviren d.h. Sars-Cov19). Alles unter Laborbedingungen. Soweit so gut. Das Resultat : „Our results indicate that surgical face masks could prevent transmission of human coronaviruses and influenza viruses from symptomatic individuals“. Es steht „could“… und es steht auch : „The major limitation of our study was the large proportion of participants with undetectable viral shedding in exhaled breath for each of the viruses studied.“ und „Another limitation is that we did not confirm the infectivity of coronavirus or rhinovirus detected in exhaled breath“.
Effektiv wurden für die Studie 17 Personen mit dem Coronavirus angesteckt. Von diesen wurden mehrere Proben genommen über jeweils 30 Minuten. Einige haben in den 30 Minuten gar nicht gehustet, so dass nichts dabei raus kam.
Das ist ein guter Ansatz um den Effekt von Masken zu zeigen. Aber dass daraus der generelle Schluss gezogen werden kann, dass jetzt mit einer Maskenpflicht alles ok wird ist falsch.
Fazit aus der Studie: wenn jemand krank ist und eine Maske anzieht, dann überträgt diese Person die Viren weniger als jemand der keine Maske angezogen hat. Das ist keine bahnbrechende Erkenntnis. Aber immerhin ein Beweis, dass die bisherigen Aussagen stimmen. Masken schützen von innen nach aussen. D.h. die Person die sie an hat überträgt weniger. Für das wurden sie ja gemacht. Nicht untersucht wurde der umgekehrte Weg, d.h. ob die Masken von aussen nach innen wirken. Die Empfehlung des BAG war von Anfang an, dass kranke Menschen eine Maske tragen sollen.

Ich kritisiere die Studie nicht. Ich kritisiere was jetzt daraus gemacht wird in der Philosophie : Masken rauf – Lockdown weg. So einfach ist es nicht. Denn : es wurde nicht untersucht, ob die Masken effizienter sind als die Abstandsregeln. Und es wurde auch nicht untersucht ob Stoffmasken gleich gut wirken. Diesen Schluss hat der Forschungsleiter in einem Interview gezogen. Bewiesen ist es mit der Studie nicht. Es wurde auch nicht untersucht.

Was ist denn jetzt mein Problem weshalb ich nach wie vor nicht überzeugt bin und dadurch keine neue Evidenz erkennen kann :
Es ist eben nicht nur die Maske relevant, sondern der Umgang damit und der Vergleich mit anderen Massnahmen.
Nicht Gegenstand der Untersuchung waren die Folgeeffekte in der breiten Anwendung (v.a. die Vernachlässigung der Abstandsregeln, in Gesicht und Augen langen etc, Vernachlässigung der Handhygiene). Das ist meine Hauptbefürchtung, noch wenn man die eigentlichen Regeln beibehält, sie werden nach meiner Einschätzung dann weniger gut befolgt als heute.
Auch ist der Schluss, dass mit generellem Tragen von Masken die Abstandsregeln gelockert oder aufgehoben werden können nicht zulässig und auch gefährlich.
Die Studie lässt auch den Umkehrschluss nicht zu, dass die Kombination von Abstandsregeln und Masken besser ist als nur Abstandsregeln das hat sie schlicht nicht untersucht. Dabei geht es um die Frage ob sich der Mehraufwand gebenüber den Abstandsregeln lohnt. Deshalb bleibe ich bei meinen unten gemachten Aussagen (bis zum Beweis des Gegenteils). Reihenfolge der Effizienz der Massnahmen 1. zu Hause bleiben, 2. Abstand halten 3. wenn der Abstand nicht gehalten werden kann Ersatzmassnahmen treffen (z.B. Pflexiglasscheibe oder Maske; habe ich immer so geschrieben, das ist nicht neu ..).
Ich sage niemanden er dürfe keine Maske tragen. Aber ich lasse mir beim Sonntagsspaziergang (immer in gebührendem Abstand zu anderen Personen) nicht durch eine Maskenpflicht ohne Mehrnutzen gegenüber den Abstandsregeln verderben. Es soll jeder eine Maske tragen der will aber ordnet deren Effekt richtig ein und nehmt sie dem medizinischen Personal nicht weg.

Maske oder keine Maske ?

Von den Masken…
Im Moment herrscht grosse Unsicherheit was Masken betrifft. Es gibt viele Gschäftlimacher unterwegs, die sich nicht mehr spüren und die Preise in ungeahnte Höhen treiben.
Ganz nüchtern betrachtet (Händealkohol ist eh nicht zum trinken gedacht) :

  1. zu Hause bleiben ist der effizienteste Schutz. Im Umkreis der engeren Familie braucht es keine Masken. Es wurde in einer später erwähnten Studie (1) sogar wissenschaftlich bewiesen, dass die Maske innerhalb des gleichen Haushaltes gar nichts bringt. ich komme später darauf zurück.

wenn das nicht geht:

  1. 2 m Abstand halten, regelmässig Hände waschen (2 x happy birthday singen; schnell schnell reicht nicht), nur in den Ellenbogen niesen, nicht am Gesicht herumfummeln und aufs Umarmen und Händeschütteln verzichten ist ebenfalls effizient. (Mit 2 m Abstand ist umarmen sowieso schwierig …)
    Wenn waschen nicht geht, dann desinfizieren. Auch da richtig 30 Sekunden lang.
    wer das nicht will, dem hilft auch eine Maske nicht. Der/die hat ganz an einem anderen Ort ein Problem.
  2. wer die 2 m nicht einhalten kann, der/die muss Ersatzmassnahmen treffen.
    Effizienter als Masken sind z.B. Plexiglasscheiben. Dann braucht es keine Masken. Das geht auch z.B. in Taxis, an Kassen in Geschäften und an vielen anderen Orten.
    Wenn diese Massnahme auch nicht hilft dann sind Masken mit strikter Händehygiene ok.
    D.h. man muss nicht mit einer Maske durchs Dorf laufen. Die Leute halten dort die 2 m in aller Regel ein. Sonst muss man halt ausweichen.
    Viele im Spital tragen sie (aber nicht alle). Notwendig sind sie im Patientenkontakt oder dort wo die Abstände auch beim Personal eben nicht eingehalten werden können.
    Das ist in vielen öffentlichen Apotheken auch so. Dann sind die Masken auch dazu da, die anderen vor der eigenen Ansteckung zu schützen unter der Voraussetzung, dass die anderen Massnahmen nicht funktionieren. Aber nochmal : nur in Verbindung mit strikter Händehygiene.
    Fürs breite Publikum sind sie eingeschränkt wirksam. Konsequenterweise müsste man dann auch noch eine Brille tragen mit Seitenabdeckung. Denn die Übertragung kann auch über die Augen erfolgen. Das ist eben dann wenn man im Gesicht herumfummelt. Das ist auch mit einer Maske schlecht, man kann immer noch in die Augen fassen.

Dann ist die Frage welche Masken, wenn überhaupt :
Vorweg : FFP2, FFP3 respektive N95 Masken braucht es nur für jene, die mit symptomatischen Patienten sehr nahe umgehen müssen. Es ist eine Frage wie gross die Virenlast ist die dadurch entsteht. FFP2 wohl bei den isolierten Patienten. Bei Bronchoskopien oder eben der Intubation oder CPAP, dort wo direkt Sekret quasi aus der Lunge geholt und in hohen Mengen verteilt wird. Quasi in der „Kampfzone“ der Intensivpflegestation (für Covid. Sonst nicht) wären’s FFP3.
D.h. Mondpreisangebote für FFP2 und FFP3 Masken dürfen Mondpreis sein, kaufen sollte man sie nicht. Wer sie kauft ist eigentlich selber schuld. Das Problem ist nur, dass wir in den Spitälern auch diese Mondpreise zahlen müssen.
Weil wir nicht darauf verzichten können.
Warum „nur“ die einfachen Masken? Die Übertragung erfolgt primär über Tröpfchen und in ganz ganz geringem Mass über Aerosole. Die klinischen Auswirkung einer Corona-Infektion lassen sich zwar mit der Influenza nicht vergleichen. Die Übertragungswege jedoch schon. Deshalb reichen die chirurgischen Masken verbunden mit einer strikten Händehygiene und ohne ins Gesicht zu langen – nochmal : nur und ausschliesslich dann wenn die 2 m und andere Ersatzmassnahmen nicht möglich sind – weil die Maske die anderen Massnahmen nur beschränkt ersetzen kann.
Die Händehygiene ist auch hier wichtig. Die Masken ersetzen die Händehygiene nicht. Es gibt viele wissenschaftliche Studien in renommierten Fachzeitschriften, die dies eindeutig belegen.
Es gibt auch fundierte Studien die klar zeigen, dass Masken verteilt ans breite Publikum im Vergleich zu keiner Maske keinen Vorteil bringen, eben insbesondere weil viele andere Faktoren,
wie z.B. das richtige Anziehen respektive das richtige Ausziehen oder die Handhygiene nicht beachtet werden. Ganz im Gegenteil zeigen die Studien, dass die Masken im breiten Publikum die Sitation eher noch verschlechtern. (1, 2)
Und dies egal ob nun die Asiaten Masken tragen oder nicht. Die zweite Studie (siehe unten) haben übrigens Asiaten gemacht…. Eine verlangsamte Ausbreitung der CoviD auf den Gebrauch von Masken zurück zu führen ist wissenschaftlich nicht haltbar.
Es gibt viele andere Einflussfaktoren, die mindestens so wichtig sind wie die Masken.
FFP2 Masken bringen gegenüber den normalen chirurgischen Masken keinen Vorteil. Ausser in den vorher genannten Situationen. Auch das wurde belegt (3).
Nebst alledem wird auch von Masken abgeraten weil die Versorgung sonst absolut gefährdet ist. Würde das breite Publikum die Masken gleich anwenden wie in der Pflege, dann bräuchte es pro Tag ca. 16 Millionen Masken.
(pro Person 2 Masken pro Tag). Das würde dann jede Bundesreserve um zig Dimensionen übersteigen und würde einem Mehrjahresbedard aller schweizer Spitäler zusammen entsprechen. Remember : Toilettenpapier …. es wäre da eher noch schlimner …

Studien (Beispiele) :
1 : Facemasks and Hand Hygiene to Prevent Influenza Transmission in Households: A Cluster Randomized Trial Ann Intern Med. 2009;151(7):437-446.

  1. Nonpharmaceutical Measures for Pandemic Influenza in Nonhealthcare Settings—Personal Protective and Environmental Measures Emerg. Infectious deseases 26, 5 2020
  2. Surgical mask vs N95 respirator for preventing influenza among health care workers: a randomized trial. JAMA. 2009 Nov 4;302(17):1865-71

Wie informieren Sie sich?

Verloren im Dschungel der Informationen. Kolumne Bödeli Info vom März 2020

In meiner Jugend gehörte das Oberländische Volksblatt quasi zur Pflichtlektüre. Um bei kantonalen und nationalen Angelegenheiten à jour zu sein gab es schon damals Bund und BZ. Praktisch jeder Haushalt hatte ein Zeitungsabonnement. Mittags um 12.30 berichtete Radio Beromünster und später Radio DRS über die Neuigkeiten des Tages. Am Mittagstisch wurde aufmerksam zugehört, niemand durfte während der Nachrichten sprechen. Die Fernseh-Tagesschau um 20 Uhr war ebenfalls ein Pflichttermin. In unserer Region konnte damals nur ein deutschsprachiger Sender empfangen werden. Die Information war stark kanalisiert.

Anfang der 80er Jahre veränderte sich die Vielfalt der Radio- und Fernsehprogramme. Private Lokalradios und Fernsehstationen wurden als Versuchsbetriebe zugelassen. Auch in dieser Zeit kam das Kabel- und Satellitenfernsehen dazu. Um einen Schlag vergrösserte sich die Informationsflut um ein Vielfaches. Die Informationsquellen standen in direkter Konkurrenz und buhlten mit Schlagzeilen und Geschichten um die Leser-, Hörer respektive Zuseherschaft.

Mit der Ausbreitung des Internets und der weltweiten Vernetzung über soziale Medien hat sich die Zahl der Informationsquellen explosionsartig vergrössert. Man kann sich heute sämtliche Informationen schnell und einfach aus dem Internet beschaffen. Das ist zwar im Lichte des freien Zugangs zu Informationen im Grunde kein Übel. Auf der anderen Seite kann heute jeder und jede (Falsch-) Meldungen verbreiten. Eindrücklich haben das die letzten amerikanischen Präsidentschaftswahlen gezeigt: Dort ist es offenbar einer Gruppe von findigen Internetunternehmern aus Mazedonien gelungen, Falschmeldungen so zu verbreiten, dass sie zum Wahlthema wurden. Es ging einzig allein darum, Leute auf die eigene Webseite zu ziehen, um mit den Klicks im Werbemarkt Geld zu verdienen. So wurde die Falschmeldung, dass Papst Franziskus Donald Trumps Kandidatur unterstützt habe, fast eine Million Mal auf Facebook geteilt. Und mit jedem Click verdiente jemand mit. Auch die Meldung, dass Asylbewerber mehr Unterstützung als Sozialhilfebezüger erhalten würden, verbreitete sich in kürzester Zeit, obwohl die Information nachweislich völlig falsch ist. Einziger Zweck der Information ist, mit einer skandalisierenden Falschaussage Stimmung zu machen. Diese Fehlinformation taucht genauso periodisch wieder auf wie jene, dass Facebook gerade die Nutzungsbedingungen ändert und man ihnen die Erlaubnis via Nachricht entziehen muss, private Bilder zu verwenden. Auch das ist nachweislich völliger Quatsch.

Politische Propaganda und das Schüren von Hass über gefälschte oder aus dem Zusammenhang gerissene Geschichten und Bilder sind an der Tagesordnung und werden als «Wahrheit» verbreitet und unkritisch geteilt. Ein guter Nährboden für den Populismus. Denn all dies führt dazu, dass viele Leute mit der Informationsflut überfordert sind. Twitter und Facebook finden, dass Unterscheidung zwischen Wahr und Unwahr eine Aufgabe der Konsumentinnen und Konsumenten ihrer Plattformen sei.

Twitter hat mittlerweile bezahlte politische Werbung vollständig verbannt. Facebook hat die Werberichtlinien angepasst, allerdings nicht für die politische Propaganda. Die Skandale haben dort offenbar kein Umdenken bewirkt.

Tageszeitungen, die sich zum Qualitätsjournalismus bekennen, sollten vermehrt «virale» Falschmeldungen aufnehmen und mit eigenen Faktenchecks auf den Wahrheitsgehalt überprüfen. So kann ein Beitrag geleistet werden, im Dschungel der Informationen wahre und unwahre Geschichten unterscheiden zu können.

Pet-Flaschen am Brienzersee

Kolumne Bödeli-Info November 2019

Es ist viel einfacher, andere auf ihre inkonsequente Haltung hinzuweisen, als selbst etwas zu unternehmen.

Es gibt Klima-Leugner, Klima-Skeptiker, Klima-Warmisten und Klima-Alarmisten die sich darüber streiten ob es den Klimawandel nun gibt oder nicht. Ob er vom Menschen verursacht wird oder nicht und wenn ja zu welchem Anteil. Es gehört zu meinem Beruf wissenschaftliche Daten zu werten und die Schlüsse daraus zu ziehen. Ich halte nichts von blossen Behauptungen und verdrehten Wahrheiten – auch in den übrigen Bereichen meines Lebens. Die Daten lassen mich ohne Zweifel: Der Mensch und die von ihm verbrauchten Ressourcen tragen einen ganz erheblichen Anteil zum Klimawandel bei.

Szenenwechsel: Vor ein paar Wochen ist mir eine Gruppe Schweizer Jugendlicher am Brienzersee begegnet. Einer unter ihnen hatte gerade eine leere Pet-Flasche achtlos in ein Gebüsch geworfen, obwohl nur 50 Meter weiter ein Abfalleimer war. Ich ging die Flasche holen und habe sie ihm in die Hand gedrückt mit der freundlichen Aufforderung sie doch in den Abfalleimer zu werfen. Er sah mich verwundert an, hat jedoch meiner Bitte Folge geleistet. Ich habe gedankt, dass er mithelfe die Umgebung des Sees und die Umwelt sauber zu halten und ging weiter.

Auch kürzlich hatte ich eine Diskussion mit einem guten Bekannten über die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Öl. Bei ihn steht so oder so die Sanierung der Heizung an. Er argumentierte, dass die Ölheizungen in der Schweiz gerade mal zu 0,001 Promille des weltweiten C02 Ausstosses beitragen und für ihn deshalb nur eine Ölheizung in Frage komme. Nicht dass er sich eine Alternative nicht hätte leisten können und zudem erhebliche Zweifel bestehen, ob sich eine Ölheizung überhaupt noch rechnet. Es ging ihm ums Prinzip.

Wie es wohl gewesen wäre, wenn der vorhin erwähnte Jugendliche im gleichen Stil geantwortet hätte: Dass seine Flasche gerade mal 0,000001 Promille der Fläche des Brienzerseeufers einnehme und es für die globale Umwelt angesichts des viel grösseren Problems in China und Indien überhaupt nichts bringe, wenn er sich bemühe die Flasche in den Abfalleimer zu werfen.
Ein schräger Vergleich? Vielleicht.

Ja, ich fahre immer noch Auto wenn es sein muss, benutze mein Handy regelmässig, nehme ab und zu den Flieger und esse gerne Fleisch. Ich halte nichts von Fundamentalismus und missionarischem Eifer – weder auf der einen noch der anderen Seite. Aber es ist mir bewusst, dass es ein Umdenken braucht. Egal ob wir früher die Pullis unserer älteren Geschwister nachgetragen, kein Handy benutzt, draussen gespielt haben und auch nicht von den Eltern zur Schule gefahren wurden. Egal ob nun die Schüler am Freitag oder wie in der Schweiz am Samstag streiken und dann trotzdem die PET-Flaschen an den Brienzersee werfen, mit dem Flieger in die Ferien gehen und sich von den Eltern in die Schule fahren lassen. Und egal ob die Chinesen und Amerikaner deutlich mehr C02 pro Kopf produzieren als wir. Das alles lenkt in erster Linie von der eigenen Verantwortung ab. Es ist viel einfacher, andere auf ihre inkonsequente Haltung hinzuweisen, als selbst etwas zu unternehmen. Wenn viele Leute kleine Schritte gehen, so ergeben sich auch grosse Veränderungen. Auch wenn ich selber nur einen kleinen Bruchteil eines Promilles zur Klimaerwärmung beitrage: Viele Mäuse machen auch Mist – auch dann wenn sie nicht bis ins letzte Detail konsequent sind. Und sei es nur dass ich PET-Flaschen richtig entsorge, vermehrt den Zug und das Velo benutze und wir seit unserer Heizungssanierung via AVARI auf einheimisches Holz statt importiertes Öl setzen und das Wasser mit Sonne heizen.

Ein mühsames Thema. Die Grenzen des Marktes in der Versorgung mit Medikamenten

Kolumne Bödeli-Info  Juli 2019

Das Thema der Lieferengpässe von Medikamenten beschäftigt leider in immer in grösserem Masse. Wir erreichen von Woche zu Woche neue Höchststände.
Weil einige wichtige lebensnotwendige Arzneimittel in der Schweiz schon länger gar nicht mehr verfügbar sind, hat der Bund im Jahr 2010 die Möglichkeit geschaffen, dass wir in Ausnahmesituationen unbürokratisch Medikamente aus dem Ausland importieren können. Der Markt Schweiz ist für diese Produkte zu klein ist und die jährlichen Gebühren zu hoch. So ist es für einen Händler kaum interessant, solche Medikamente für die Schweiz zu registrieren.

Die Knappheit erreicht jetzt eine neue Dimension. Aktuell betroffen sind eine ganze Reihe von Arzneimitteln gegen «Volkskrankheiten» wie zum Beispiel Bluthochdruck, Epilepsie oder Parkinson. Im Unterschied zu Notfallmedikamenten müssen neu laufende Therapien umgestellt werden mit den entsprechenden Konsequenzen.

Die Pharmaindustrie bewegt sich im globalisierten Markt nicht anders als so viele andere auch. Warum sollte sie dem Mini-Bezüger Schweiz einen Sonderstatus einräumen? Bis jetzt haben wir die Kleinheit unseres Marktes mit höheren Preisen kompensiert, so war die Versorgung nie ein Problem.
In einem normalen Markt gelten die Regeln des Angebotes und der Nachfrage. Bei einer Verknappung steigen die Preise, es werden jene Länder bedient, die zahlen können. Bei einer Schwemme sinken die Preise. Im Medikamentenmarkt setzt korrekterweise der Staat die Höchstpreise fest. Dieses System stösst jedoch an seine Grenzen. Im Gegensatz zum Bund spreche ich deshalb nicht von einem Marktversagen, sondern von einem Regulierungsversagen. Selbstverständlich bin auch ich der Meinung, dass die Preise sehr vieler Arzneimittel in der Schweiz zu hoch sind. Und es ist auch richtig, dass wir irgendwo sparen müssen, um uns die teuren Medikamente überhaupt leisten zu können. Es nützt uns jedoch nichts, wenn die vergünstigten Medikamente gar nicht mehr zur Verfügung stehen. So können wir zwar seltene Krebsarten behandeln jedoch den Bluthochdruck nicht mehr oder nur noch mit den sehr teuren Alternativen. Deshalb muss mit Bedacht ins System eingegriffen werden.

In den letzten Wochen hat uns eine Meldung aus Belgien aufgeschreckt: den belgischen Medikamenten-Grosshändlern wurde verboten Medikamente ins Ausland zu exportieren, weil Holland und Frankreich ihre Lieferlücken mit belgischer Ware schliessen. Man stelle sich vor Frankreich und Deutschland würden ebenfalls Exporte verbieten. Das wird dort tatsächlich diskutiert. Dann kommt in der Schweiz die Medikamentenversorgung in vielen Bereichen völlig zum Erliegen.

Bis jetzt haben wir die Kleinheit unseres Marktes mit höheren Preisen kompensiert, so war die Versorgung selten ein Problem.

Die Schweiz hat eine grosse und starke Pharmaindustrie. Diese hat sich jedoch aus der Grundversorgung weitgehend verabschiedet. In der Schweiz werden kaum noch Wirkstoffe hergestellt. Mit biotechnologischen Verfahren hergestellte Medikamente gegen Krebsleiden oder andere seltene Spezialtherapien werden hierzulande noch produziert. Wir sind in der ganzen Grundversorgung abhängig vom Ausland ob es uns nun gefällt oder nicht. Das gilt auch für so «banale» Medikamente wie Ibuprofen oder Aspirin – auch die fehlen im Moment. Da hilft auch die Armee nicht, denn die ist wohl für die Verarbeitung der Wirkstoffe eingerichtet, nicht jedoch für die Wirkstoffproduktion. Und genau dort liegt das Problem. Wenn es im Ausland Schwierigkeiten mit der Versorgung gibt, dann gibt sie es auch bei uns. Unser System hat noch nicht gelernt mit der neuen Situation umzugehen. Ich habe leider auch kein Patentrezept.

Die Versorgung mit Arzneimitteln für die Behandlung von bisher gut beherrschten „Volkskrankheiten“ wie Bluthochdruck, Epilepsie oder Parkinson steht auf der Kippe!

Blog vom 28. Mai 2019

Heute am 28. Mai 2019 haben wir in der Schweiz die Marke von 600 Lieferengpässen von Medikamenten überschritten. Davon besonders betroffen sind Medikamente gegen Bluthochdruck. Mit über 130 fehlenden Packungsgrössen aus verschiedenen Wirkstoffgruppen führen sie die Liste an. Besonders problematisch sind die Epilepsiemedikamente, weil die Umstellung noch komplizierter ist als bei den Herzmedikamenten. Ebenso einige Parkinsonmedikamente bei denen die Anpassung der Therapie eng begleitet werden muss. Alle diese Therapiegebiete lösen im Moment zusätzliche Arztbesuche aus. Die Medikamente müssen neu eingestellt werden. Das geht nicht einfach so von heute auf morgen. Und absetzen kann man sie auch nicht einfach so. Man muss also handeln wenn sie fehlen.

All diese Medikamente sind nicht auf der Liste des Bundesamtes für wirtschaftliche Landesversorgung verzeichnet. Sie sind zwar durchaus ersetzbar, aber eben nicht ohne Begleitung und auch nicht ohne Komplikationen – gerade bei den Epilepsie- oder Parkinsonmedikamenten.

Der Bund hat mit der Revision des Heilmittelgesetzes seit dem Jahr 2010 auf die Situation reagiert und die Möglichkeit geschaffen, dass wir unbürokratisch Medikamente aus dem Ausland importieren können. Das half uns bisher die Patientenversorgung mehr oder weniger sicherzustellen.
Ungelöst Ist die Finanzierung. Die Kassen dürfen die Kosten dieser Medikamente nicht übernehmen weil sie nicht in der Spezialitätenliste stehen. Man kann einen Antrag stellen über eine Einzelfallbeurteilung. Das ist jedoch bürokratisch extrem aufwändig und die Aussicht auf Erfolg ist minimal. Der einfachere Weg für die Behandler ist die Umstellung – auch wenn das für die Patientinnen und Patienten nicht von Vorteil ist. Die Bürokratie verhindert die gute Lösung. Einmal umgestellt verbleiben die Patientinnen und Patienten dann auf diesen – meist teureren- Medikamente. Die Therapie ist definitiv umgestellt.
Wir haben uns bisher damit beholfen, dass wir dann halt das Medikament in Deutschland besorgt und das Schweizer Medikament abgerechnet haben. Das ist zwar nicht korrekt, aber es war bisher die einzige Möglichkeit Lieferengpässe mit Importen zu überbrücken ohne dass die Patienten umgestellt oder hohe bürokratische Hürden zu überwinden waren. Das Patientenwohl geht in diesen Situationen vor !

Gerade heute am Tag des Rekordhochs von Lieferengpässe kommt die Meldung aus Belgien, dass sie Grosshändlern verbieten Medikamente zu exportieren. Dies deshalb weil die Lieferengpässe sehr stark zugenommen haben. Der belgische Staat will verhindern, dass ihre Medikamente in erster Linie nach Holland exportiert werden, wo das Problem der Lieferengpässe noch grösser ist als bei uns. Wenn dieses Beispiel z.B. in Deutschland – wo das Problem nicht kleiner ist – Schule macht, dann haben wir in der Schweiz schlechte Karten. Die vielen Lieferengpässe werden für noch mehr Patientinnen und Patienten spürbar.

Und ebenfalls heute wurde in der ARD ein Bericht über Lieferengpässe in der Anästhesie in Deutschland wo hunderte Patienten statt einer Spinalanästhesie bei ihren Operationen eine Vollnarkose erhalten haben. Mit den entsprechenden Folgekosten respektive Folgen mit die Patientinnen und Patienten.

All diese Beispiele zeigen, dass Lieferengpässe von Medikamenten heute deutlich mehr umfassen als die „Kriegsversorgung“ und die Beschränkung auf lebensnotwenige Arzneimittel. Diese sind zwar ebenfalls betroffen doch bezüglich der Auswirkung für die Masse von Patientinnen und Patienten doch eher untergeordnet. Klar ist es überhaupt nicht gut, wenn im Moment auch die Zecken- oder die Tollwutimpfung fehlt. Klar ist es ein Problem, wenn Kinder nicht adäquat geimpft werden können. Aber die Masse der betroffenen Personen ist jetzt in anderen Therapiegruppen wie eben Bluthochdruck, Epilepsie und Parkinson in vielen Dimensionen grösser. Und genau die werden auf der Liste des Bundes nicht erfasst.

Die Amerikaner hatten übrigens beim Wirkstoff Losartan die „kreative“ Idee den Grenzwert für die krebserregenden Nitrosamine einfach für 6 Monate nach oben zu setzen, um nicht das gleiche Problem zu bekommen das es beim verunreinigten Valsartan bereits weltweit gibt. Auch ein Weg ……. bei uns sind alle Wirkstoffe der Gruppe der sehr breit angewendeten Sartane von Lieferengpässen betroffen. Bluthochdruck hatten wir doch eigentlich im Griff…. Das Problem mit den Verunreinigungen greift jetzt auch in andere Therapiegebiete so zum Beispiel Antidiabetica.

Was mich in der Situation tierisch nervt:
Es gibt immer noch Leute die finden, das Problem sei von völlig untergeordneter Bedeutung. So behauptet die Direktorin der Santésuisse bei jeder Gelegenheit, dass Lieferengpässe europaweit kaum zu beobachten seien. Für alle Leute die tagtäglich mit dem Management dieser Lieferengpässe zu tun haben sind solche Aussagen blanker Hohn! Sie sind völlig faktenfrei.
Es bringt auch nichts den schwarzen Peter den Spitälern zuzuschieben, die dem vernehmen nach ihre Lager abgebaut haben. Noch wenn es so wäre, das würde in der Masse der Probleme überhaupt nicht helfen. Die Listen wären gleich lang. Höhere Lager steuern die Auswirkungen auf die Patientinnen und Patienten. Die Listen führen allerdings nicht auf welche Lieferengpässe bis zu den Patienten gelangen. Die Listen des BWL und auch von Drugshortage.ch beschreiben den Weg von den Firmen zu den Detialhändlern und nicht den Weg bis zu den Patientinnen und Patienten. Und trotzdem : bei jedem Medikament das auf einer der Listen erscheint muss überlegt werden was zu tun ist. Sind Ersatzmedikamente zu organisieren, gibt es die überhaupt, muss man Therapiekonzepte anpassen etc. etc..

Selbstverständlich bin auch ich der Meinung, dass die Preise mancher Arzneimittel in der Schweiz zu hoch sind. Ich habe mehrfach bewiesen, dass ich mich für ein System einsetze, das aus dem investierten Franken das Optimum herausholt. Wenn das 2 Millionen Medikament von Novartis von der Börse gefeiert wird, gleichzeitig aber die Novartis-Tochterfirma Sandoz am heutigen Tag ganze 124 Medikamente nicht liefern kann, das sollte zu denken geben. Es ist richtig, dass wir sparen müssen, um uns die teuren Medikamente überhaupt leisten zu können. Die angedachten Pauschallösungen können zur Folge haben, dass genau das Gegenteil raus kommt : es nützt uns nichts wenn dann die vergünstigten Medikamente gar nicht mehr zur Verfügung stehen.

Lieferengpässe sind ein zunehmend ernstes Problem. Veränderungen im System mit potentiellen Auswirkungen auf die eh schon angespannte Versorgungslage sollten deshalb gut überlegt sein und auf aktuelle reale Entwicklungen und nicht primär auf blosse faktenfreie Behauptungen abstützen nur weil es im Moment gerade politisch opportun ist Arzneimittelpreise pauschal zu verurteilen. Sonst fliegt uns das System schon sehr bald um die Ohren. Zwar sind jene verantwortlich die ein System mit solchen Platitüden kippen, ausbaden müssen es am Schluss die Patientinnen und Patienten respektive auch die Prämienzahler. Ob es dann tatsächlich günstiger wird wage ich sehr zu bezweifeln, denn praktisch jede Umstellung, die in einer Engpasssituation erfolgt wird von einem günstigen auf ein teureres Produkt gemacht. Das sind die negativen Auswirkungen des vielbeschworenen Marktes. Er hat seine Gesetze und eben auch seine Grenzen. Insbesondere wenn am Schluss günstige Therapien durch teure ersetzt werden.

Links zu den angesprochenen Themenkreisen :

https://www.drugshortage.ch

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/05/28/belgien-export-verbot-fuer-grosshaendler

https://www.swr.de/report/vollnarkose-statt-oertlicher-betaeubung-wie-aerzte-und-patienten-unter-lieferengpaessen-leiden/-/id=233454/did=23867142/nid=233454/cnwiej/index.html

Aussage Direktorin Santésuisse in Santémedia vom November 2018 https://www.facebook.com/enea.martinelli/videos/10214461531953545/

Zur ganzen Sendung : https://www.santemedia.ch/medikamente-wie-gut-ist-billig/

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/03/26/nmba-verunreinigung-fda-erlaubt-erhoehten-grenzwert

Beispiele zum Verzweifeln- Teil 4 – Verblisterung

Wir versorgen die Patienten einiger Heime mit fix fertig – auf den Zeitpunkt der Einnahme – vorbereiteten Medikamenten. Dieser Vorgang ist bekannt als Verblisterung. Hier eine Beschreibung mit Film :

https://blistersuisse.ch/verblisterung/das-ist-verblisterung

Das heisst wir geben den Patienten nicht Packungen ab, sondern wir verteilen den Inhalt einer Packung auf mehrere Patienten.
Logischerweise haben wir alles Interesse daran, dass die Packungen möglichst gross sind und auch möglichst als sogenannter Bulk, dh als Schüttware geliefert werden. Sonst müssen wir die einzeln auspacken. Eine grosse und zeitintensive Arbeit.

Mit der Abschaffung der Grand-frère Regel können wir diese Spezialpackungen am Schluss nicht mehr abrechnen weil diese Packungen nicht in die SL kommen u.a. weil sie für die Einzelanwendung zu gross und in der Folge nicht zweckmässig sind. Mit der Grand Frère Regelung konnten wir das bisher umgehen. Tabletten aus diesen Packungen wurden bezahlt unter der Bedingung, dass sie günstiger waren als die grösste SL Packung.

Grand Frère wird mit dem Argument aufgehoben, dass es zu Verschwendung führen kann. Bei der Verblisterung passiert genau das Gegenteil.

Bei einem Therapieabbruch ist das maximale „Risiko“ der Verschwendung eine Woche weil wir jeweils Wochenrationen herstellen. Bei der Abgabe einer 3-Monatspackung ist das Risiko eben diese 3 Monate.

Mit der Abschaffung der Grand FrèreRegelung wird alles mit dem gleichen Argument über einen Leist geschlagen. Offensichtlich sind differenzierte Lösungen nicht gefragt – koste es was es wolle …..

Gopf !