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Wenn die Augen grösser sind als der Magen ….

Zum Vorstoss von Mauro Poggia und dem Applaus des Kassenverbandes prio.swiss betreffend den erleichterten Parallelimport von Arzneimitteln durch Apotheken.
Mauro Poggia will mit Parallelimporten Generika verbilligen

Die Definition von «parallel» lautet gemäss Duden: „gleichzeitig in gleicher oder ähnlicher Weise neben etwas anderem vorhanden“. Das setzt voraus, dass dieses „andere“ überhaupt als zugelassenes Arzneimittel in der Schweiz existiert.
Übertragen auf Arzneimittel bedeutet das: Ein Medikament muss in der Schweiz zugelassen sein, damit es überhaupt parallel importiert werden kann.
Ich bin nicht grundsätzlich gegen Parallelimporte. Aber nicht in der Form, wie sie von Mauro Poggia vorgeschlagen wird.
Die Aussage von Mauro Poggia und Prio.Swiss, der Vorstoss würde die Versorgungssicherheit verbessern, erschliesst sich mir nicht. Im Gegenteil.
Für mich fällt das eher unter den Titel: „Wenn die Augen grösser sind als der Magen.“
Das Denken scheint dort zu enden, wo mögliche Sparbeiträge im Raum stehen – unabhängig davon, ob diese überhaupt plausibel wären.
Bereits heute erlauben die geltenden Regeln, dass Apotheken im Falle von Versorgungsstörungen Medikamente aus dem Ausland importieren können.
Neu wäre lediglich, dass patentabgelaufene Medikamente mit einer „parallelen“ Zulassung in der Schweiz auch ausserhalb von Versorgungsstörungen ohne grössere Hürden parallel importiert werden könnten.
Das klingt zunächst attraktiv und könnte kurzfristig sogar einen gewissen – vermutlich eher bescheidenen – Kosteneffekt haben.
Mittelfristig dürfte es jedoch gravierende Konsequenzen haben. Das ist heute so absehbar wie das Amen in der Kirche. Und das ist keine Spekulation.
Wenn sich der Markt weiter ausdünnt, gibt es irgendwann schlicht nichts mehr, das man „parallel“ importieren kann.
Zuerst verschwinden selten verwendete Medikamente, dann Randformen, danach ältere und günstige Präparate.
Eine Spirale, die bereits heute in Gang ist – und die wir mit solchen Massnahmen aktiv weiter antreiben.
Und wir befinden uns keineswegs in einer Situation, in der wir behaupten könnten, diese Dynamik bereits im Griff zu haben.
Wenn diese Entwicklung eintritt, stellen sich einige grundlegende Fragen:
Haben wir ein Konzept, wie wir damit umgehen?
Wissen wir überhaupt, welche Medikamente für den Schweizer Markt kritisch sind, wenn sie verschwinden?
Gibt es ein tragfähiges Modell, wie Krankenkassen für nicht in der Schweiz zugelassene Alternativen aufkommen sollen – jenseits einer Flut von Kostengutsprachegesuchen?
Oder kapitulieren wir dann einfach?
Diese Fragen müssen vorher geklärt werden.
Sonst fahren wir sehenden Auges an die Wand.
Zum Thema Parallelimport habe ich bereits früher ausführlicher geschrieben – der Beitrag ist nach wie vor aktuell: Hey Lüt, simmer mal ehrlich ! | www.www.enea-martinelli.ch

Lieferengpässe Fragen über Fragen…

Wo liegt eigentlich das Hauptproblem bei Lieferengpässen ?

Auf diese Frage gibt es keine einfache Antwort. Es sind in erster Linie die preiswerten Medikamente mit abgelaufenem Patentschutz betroffen. Der Mangel ist im Wesentlichen eine Folge der Globalisierung des Arzneimittelmarktes und der Kostenoptimierung auf allen Seiten. Nicht, dass das per se schlecht wäre, aber man hat es versäumt, einige Leitplanken zu setzen.
Insbesondere hat es zu einer Konzentration der Hersteller pro Wirkstoff geführt. Für etwa ein Drittel der patentfreien Wirkstoffe, die wir verwenden, gibt es weltweit nur einen Hersteller. Bei einem weiteren Drittel sind es zwei. Und bei dem Drittel, bei dem der Patentschutz noch nicht so lange abgelaufen ist, sind es mehr als drei. Wenn dann bei der Herstellung etwas passiert, gibt es das Präparat nicht mehr.
Diese Konzentration gibt es nicht nur bei den Wirkstoffen, sondern bei allem, was mit dem Medikament zu tun hat: bei den Hilfsstoffen, bei den Vorstufen zur Herstellung der Wirkstoffe, beim Verpackungsmaterial und sogar beim Beipackzettel. Überall stehen bis ins Detail kostenoptimierte Lieferketten dahinter. Resilienz spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Statt zu schauen, ob die Lieferketten nach hinten belastbar sind, wird auf fast allen Ebenen nur auf die Kosten geschaut. An erster Stelle die Unternehmen und an letzter Stelle die Kostenträger. Die Kostenträger hätten es in der Hand gehabt, hier rechtzeitig Leitplanken zu setzen. Das hat man versäumt.
Man hat es leider nicht nur verpasst, sondern man hat auch nichts daraus gelernt.

Wenn man die politische Diskussion über Arzneimittel verfolgt, geht es immer nur um die Preise und das Lamento, dass uns die Kosten aus dem Ruder laufen. Es geht nie um die Belastbarkeit der Versorgung. In den aktuellen politischen Debatten geht es vor allem um die Förderung des Billigstbieterprinzips. Produzenten, die nachweisen können, dass ihre Versorgungssysteme auf Resilienz ausgelegt sind, haben keinen Vorteil. Es ist schlicht kein Thema. Das einzige Kriterium ist der Preis.

Ich frage mich manchmal, ob irgendjemand an den politischen Schalthebeln daran denkt, dass die Patientinnen und Patienten auch versorgt werden sollen. Das ist doch das eigentliche Ziel des Gesundheitswesens. Das gilt nicht nur für Medikamente. Wir „Akteure“ versorgen Menschen aus Fleisch und Blut, die darauf vertrauen, dass sie ihre Therapien auch bekommen. Das scheint an manchen Stellen keine Rolle zu spielen. Wir können ja nicht jedes Mal sagen, die Leute sollen das fehlende Medikament einfach beim Preisüberwacher oder bei santésuisse bestellen….

In der Schweiz kommt ein weiteres Element hinzu: Wir sind ein kleines Land mit 8 Millionen potentiellen „Kunden“. Bei diesem Thema geht es vor allem um preisgünstige Präparate. Für viele dieser Präparate ist die Schweiz nicht selten ein völlig unattraktiver Markt mit geringer Priorität. Das merken wir dann, wenn wir Präparate ganz verlieren und uns die therapeutischen Möglichkeiten ausgehen. Der Preis spielt auch eine Rolle, aber nicht nur. Sonst hätten die Tierärztinnen und Tierärzte nicht genau dasselbe Problem. Das Thema Preis muss sehr differenziert betrachten werden. Im lokalen Umfeld aber auch im internationalen.

Wo ist das Problem am schlimmsten ?

Überall dort, wo uns die „einfachen“ Alternativen fehlen oder ausgehen. Insbesondere in den Indikationsbereichen, in denen die Patientinnen und Patienten einen Ausfall sofort spüren. Das hat nichts mit der klassischen Definition von „lebensnotwendig“ zu tun.
Dies ist insbesondere in der Psychiatrie, bei Parkinson oder epileptischen Erkrankungen der Fall. Die Patientinnen und Patienten spüren die Folgen eines Ausfalls unmittelbar. Das gilt auch für Hormonersatztherapien. Auf der aktuellen Liste des Bundesamtes für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) sind all diese Substanzen nicht aufgeführt. Nicht, weil das BWL das nicht will, sondern weil es für die Krisenversorgung einen sehr engen Auftrag hat und sich immer am Begriff der „lebensnotwendigen Güter“ orientieren muss. Leider ist es längst nicht mehr so, dass nur diese Medikamente ein Problem darstellen.
Das Grundproblem ist das gleiche geblieben: Es geht nicht wirklich um Patientensicherheit. Es geht beim BWL um die Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten, das ist nicht dasselbe. Erklären Sie mal einem Epileptiker, warum sein Medikament nicht unter diese Definition fällt. …..

Ärztinnen und Ärzte sowie Apothekerinnen und Apotheker setzen alles daran, dass die Qualität der Behandlung nicht leidet. Der Aufwand dafür ist jedoch enorm und nicht immer einfach. Insbesondere leidet das Vertrauen der Patientinnen und Patienten in ihre Therapie. Im stationären Umfeld oder auch bei der Spitex ist auch die Pflege involviert, deren Koordinationsaufgaben ins uferlose steigen. Sie alle stehen an der Front und kriegen tagtäglich den Ärger von Patientinnen und Patienten ohne viel Verständnis für die Situation mit.

Was müsste die Schweiz tun, um Abhilfe zu schaffen?

Die Schweiz müsste zunächst für sich definieren, welche Arzneimittel wichtig sind. Die Liste des Bundesamtes für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) ist dazu nicht geeignet.
Zwar wurde die Liste des BWL Anfang Jahr stark erweitert. Wichtige Medikamente fehlen aber nach wie vor. Wie bereits beschrieben: das ist nicht die Schuld des BWL, sondern des Rahmens in dem sie sich bewegen müssen.
Frankreich hat diese Aufgabe so gelöst, dass sie als Basis die Modelliste essentieller Medikamente der WHO genommen und auf die Gebräuche in Frankreich angepasst haben. Das hat die Schweiz nie gemacht, auch weil sich niemand zuständig fühlt.

Eigentlich sind gemäss Bundesverfassung die Kantone für jene Medikamente zuständig, die über die „Lebensnotwendigkeit“ hinausgehen.
Die Kantone können aber nur sehr beschränkt handeln, da die Rahmenbedingungen auf nationaler Ebene festgelegt werden. Weder das BAG noch Swissmedic oder das BWL haben einen gesetzlichen Auftrag. So hängt das Thema völlig in der Luft. Von allen Seiten heisst es: „Wir sind nicht zuständig, die Industrie ist verantwortlich“.
Nur, die Industrie hat auch keinen gesetzlichen Auftrag, die Versorgung sicherzustellen. Das sind Wirtschaftsunternehmen, denen es grundsätzlich freisteht, Arzneimittel anzubieten oder den Vertrieb zu unterbrechen oder einzustellen, unabhängig vom therapeutischen Nutzen der Medikamente.
Genau hier zeigt sich das Dilemma: Wir brauchen die bewährten Therapieoptionen. Aus Patientensicht ist das unabhängig davon, wie viel Umsatz ein Medikament macht oder wie viel Gewinn für die Industrie übrig bleibt.
In der freien Wirtschaft wird aber nicht nach dem therapeutischen Wert eines Produktes entschieden, sondern primär danach, ob man die Kosten decken und die Gewinnerwartungen erfüllen kann. Erfüllt man sie nicht, scheidet man aus dem Markt aus. Es gibt einige wenige Unternehmen, die zumindest derzeit noch großen Wert auf den therapeutischen Wert eines Produktes legen. Leider werden es immer weniger. Das bringt das System an seine Grenzen, vor allem in der Schweiz. Es gibt niemanden, der steuert. Man sagt aus, dass alle ein bisschen verantwortlich sind. Und genau das funktioniert eben nicht. Es braucht einen Piloten im Cockpit.

Ein ganz aktuelles Beispiel macht dies deutlich: Das Medikament Succinylcholin steht auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel des BWL. Jetzt fehlt es, weil die Firma keine Herstellungserlaubnis mehr hat. Das heißt, es gibt keine Zulassungsinhaberin mehr. Die Folge ist, dass das BWL nichts tun kann. Das Medikament ist also völlig verschwunden. Niemand reagiert und das Medikament ist weg.
Oder Heparin-Fertigspritzen für die Thromboseprophylaxe bei PatientInnen mit eingeschränkter Nierenfunktion. Auch da haben wir nichts mehr.

Hier setzt die Versorgungsinitiative an, indem sie dem Bund eine koordinierende Rolle zuweist.

Was müsste jetzt passieren ?

Es müsste sehr schnell ein umfassendes Monitoring kommen, das wirklich alle verschreibungspflichtigen Medikamente umfasst. Aber auch hier scheitern wir an der Verfassung, die dem Bund diese Rolle eben nicht zuweist. Das Monitoring wird derzeit verbessert, beschränkt sich aber immer noch auf die Stoffliste des BWL. Der Bund kann offenbar nicht mehr tun. Darum gibt es drugshortage.ch
Beim BAG reift langsam die Erkenntnis, dass Versorgung auch etwas mit Preisgestaltung zu tun hat. Nur ist das im Moment ein reaktiver und kein proaktiver Prozess.
Was man durch eine Änderung des Heilmittelgesetzes erreichen könnte, wäre, dass nicht jede Apotheke selber importieren muss, sondern dass das in einer Mangelsituation auch zentral geschehen kann. Das ist angedacht, aber noch nicht im politischen Prozess.

Eine langfristige Verbesserung erfordert ein Konzept der guten Versorgung, das auf allen Ebenen greift. Dies bedeutet, dass der therapeutische Wert des Arzneimittels und die Belastbarkeit der Versorgungskette berücksichtigt werden müssen. Sei es bei der Preisgestaltung oder anderen regulatorischen Anforderungen. Resilienz muss einen Wert bekommen.
Dies muss auf internationaler Ebene geschehen, aber auch in der Schweiz selbst.
Der grösste Hebel liegt wahrscheinlich in der internationalen Koordination. Letztlich hat es auch eine sicherheitspolitische Komponente. Aber eben: Auch dieses Thema muss man als Schweiz aktiv angehen und nicht darauf vertrauen, dass die EU das schon regelt. Sie wird es regeln, aber dann allenfalls ohne uns. Die Pandemie lässt grüssen …

Ist der Kostendruck im Gesundheitswesen ein Grund für den Mangel? Oder sind es spezielle zusätzliche Auflagen, für den im internationalen Vergleich relativ kleinen Schweizer Markt?

Das Problem sind weniger die Anforderungen. Diese sind im Wesentlichen überall gleich. Es gibt da und dort Verbesserungspotenzial, zum Beispiel auf regulatorischer Ebene bei der Anerkennung der amerikanischen Pharmakopöe. Das Problem in der Schweiz ist die Verteilung der Zulassungskosten. Das Zulassungsdossier ist in der Schweiz etwa gleich teuer wie beispielsweise in Deutschland. Die Kosten können aber in Deutschland auf 10 x mehr potentielle Kunden verteilt werden als in der Schweiz.

Welche Rolle spielt, dass die Schweiz eine eigene Zulassungsbehörde Swissmedic hat?

Jedes Land hat seine eigene Behörde. Sogar Länder wie Luxemburg. Es braucht eine nationale Behörde für die Überwachung des Heilmittelverkehrs. Swissmedic versucht, sich international zu koordinieren. Nur sind wir nicht Teil der EU. Das bringt einige zusätzliche Probleme mit sich, vor allem bei der Zulassung von Arzneimitteln. Wir haben uns dafür entschieden und tragen die Konsequenzen.

Wie kann es sein, dass Medikamente, die in Deutschland und Frankreich erhältlich sind, in der Schweiz fehlen?

Das hängt vor allem mit der Größe des Marktes und den vorhandenen Alternativen zusammen. Und jedes Land hat seine eigenen Lieferketten. Das heißt, das Problem tritt nicht immer überall gleichzeitig auf. Deshalb sind solche Aussagen meist nur Momentaufnahmen. In Frankreich ist das Problem eher noch größer als bei uns. In Deutschland auch, aber es fehlt ein verlässlicher Überblick.

Die Schweiz hat ist ein grosser Pharmastandort. Könnten wir nicht einfach gewisse Medikamente, die fehlen, wieder selbst herstellen? Was brauchte es dafür, damit dies umsetzbar würde?

Diesen Teil der Industrie haben wir nicht mehr. Es lohnt sich einfach nicht mehr. Das ist auch ein Teil dieses Konzentrationsprozesses. Wir sehen, dass die „Originale“ nach Ablauf des Patentschutzes früher oder später verkauft werden. Viele Präparate, mit denen Roche oder Novartis groß geworden sind, werden heute an andere Firmen verkauft. Die Produktionsanlagen werden für innovative Medikamente genutzt. Die Käufer kaufen die Marke und müssen sich die Wirkstoffe auf dem Weltmarkt beschaffen.
Das ist wichtig zu wissen, denn es ist eine weit verbreitete Meinung, dass die Industrie die alten Medikamente mit den großen Gewinnen querfinanzieren kann. Das ist nicht der Fall.
Wenn wir uns heute entscheiden würden, solche alten Medikamente wieder in der Schweiz zu produzieren, dann hätten wir vielleicht in 6 bis 7 Jahren eine Lösung. Diese steht aber in Konkurrenz zur Produktion in China oder Indien. Und wenn Resilienz eben keine Rolle spielt, dann ist ein wirtschaftliches Überleben nicht möglich. Also macht man es nicht.

Was es aber gibt, sind Wirkstoffverarbeiter mit bestimmten Technologien. Auf die muss man schauen. Wir haben in der Schweiz nur noch drei relevante Ampullenhersteller. Wenn die wegbrechen, haben wir ein größeres Problem.
Hier müsste man vorausschauend überlegen, was man macht, wenn eine dieser Firmen in Schwierigkeiten gerät. Wir haben in den letzten Wochen eine Firma verloren. Viel mehr können wir nicht verkraften. Oder schauen wir nur tatenlos zu?

Hey Lüt, simmer mal ehrlich !

singt Baschi in seinem neusten Song; dieser Blog ist geschrieben im Bewusstsein um gewisse Kontraste zum Song. Hier geht es eben genau nicht darum unüberlegt in den Tag hinein zu leben… der Blog ist meine persönliche Meinung und mit den Verbänden in deren Vorstand ich Einsitz nehme nicht abgesprochen.

Ehrlich?
Zumindest können das – aus Unkenntnis oder typischer Parteipolitik – einige Vertreter der FDP und der Mitte in der Arzneimittelpolitik nicht von sich behaupten.

Zugegeben: Der Kostendruck bei den Medikamenten ist sehr hoch. Bei genauerem Hinsehen wird deutlich, welches Segment bei den Medikamenten am stärksten wächst: Es sind die Medikamente, deren Patentschutz noch nicht abgelaufen ist.

Gemäss Interpharma/Santésuisse beträgt der Preisabstand der patentgeschützten Originalpräparate zum Ausland im Jahr 2022 zwar «nur» 5.4%.
Bei einem Gesamtumsatz von 3.2 Milliarden im Jahr 2023 (+8% gegenüber 2022 und verantwortlich für drei Viertel des Gesamtwachstums) sind das stolze 160 Millionen. Und dabei sind die Vertriebsanteile noch nicht einmal berücksichtigt.
Parallelimporte sind nicht erlaubt. Das verbietet das Patentrecht.

Dieselben Kreise, die den Patentschutz hochhalten, wollen nun erreichen, dass von Patientinnen und Patienten selbst beschaffte Medikamente aus dem Ausland von den Krankenkassen bezahlt werden. Beginnen wir doch am Anfang: Wie wäre es, wenn endlich die gleichen Regeln gelten würden wie innerhalb der EU? Die flankierenden Maßnahmen (wie z.B. die Umsetzung der Fälschungsrichtlinie) werden uns ja bereits vor die Nase gesetzt.
In allen anderen Bereichen sieht das Patentgesetz die regionale Erschöpfung vor und eben nicht die nationale. Ausser bei Arzneimitteln. Und durch alle Böden von FDP, SVP und Mitte verteidigt.
Warum eigentlich? Man könnte ja mal genau da ansetzen
Hey Lüt, simmer mal ehrlich und passen das Patentgesetz an. Warum genau muss die Schweiz im europäischen Raum eine Ausnahme sein?
Wer genau verteidigt jetzt welche Pfründe? Bei der Aufhebung des Territorialitätsprinzips gehört genau das zwingend dazu. Auch schon wenn man Versuche damit macht. Sonst simmer eben nicht mal ehrlich.

Es gäbe noch einen durchaus erwünschten Nebeneffekt: Die Schweiz würde auch für Parallelimporteure interessant – auch von patentabgelaufenen Medikamenten.
So wie es heute ist, bleibt die Schweiz für dieses Geschäft völlig uninteressant und findet nur sehr, sehr beschränkt statt. Ich habe mit vielen Parallelimporteuren gesprochen. Fast alle winken ab, weil wir eben eine Insel in Europa sind.

Und dann kommen gerade Vertreter der FDP mit Vorstössen, dass man unter dem Deckmantel der Kostenersparnis Patientinnen und Patienten ins Ausland schicken soll. Das spart einen Bruchteil von dem, was man mit einer Anpassung des Patentrechts sparen könnte. Und das wäre für alle, nicht nur für die an der Grenze. Nur … Spricht man sie darauf an, schauen sie ratlos. Kein Wunder:
Statt endlich die wirksamen Marktmechanismen einzuführen, kippt man ein ganzes Versorgungssystem auf den Kopf und überlässt es den Patientinnen und Patienten selbst, ohne sich jemals die haftungsrechtlichen Rahmenbedingungen der Pharmakovigilanz angeschaut zu haben. Beim Parallelimport patentgeschützter Medikamente könnte man ansetzen. Aber da muss man gegen die eigenen Leute vorgehen. Lieber gegen die anderen, oder? Die bösen bösen Leistungserbringer bindet man an einen Pfahl, ohne ihnen die Chance zu geben da mitzutun…; sie müssen Auflagen vom Staat erfüllen, die ihre Kostenstruktur beeinflussen. Und der gleiche Staat öffnet dann die Türen, damit jene bezahlt werden, die genau diese Auflagen nicht erfüllen müssen. Und man unterbindet, durch Verbote, dass sie wenigstens eine Alternative bieten können. Logisch … und tschüss EPD, Qualitätsvertrag etc. etc. „Fair ist anders“ ist übrigens ein Slogan aus den gleichen Kreisen.

Und Ironie dabei: Die genau gleichen Kreise wollen die Grenze für zollfreie Einfuhren auf 150 Franken senken. Logisch, oder? Mit Medis kann man alles tun. Mit Lebensmitteln, Kleidern etc. muss man schon Regeln einhalten.
Hey Lüt, simmer mal ehrlich!

Mein Thema – Versorgungssicherheit – hat auch mit den Preisen zu tun.
Nicht schon wieder …. Doch! Es muss sein!
Wir kommen hier in das andere Marktsegment der Arzneimittel, deren Patentschutz abgelaufen ist. Dieser Bereich wächst kaum, im Gegenteil. Mit Medikamenten kurz nach Patentablauf lässt sich noch richtig Geld verdienen. Es wäre jedoch ein Trugschluss zu meinen, dass da die gleichen Firmen betroffen wären, die ich oben genannt habe. Oft verkaufen die Originalhersteller ihre einst lukrativen Produkte einige Zeit nach Patentablauf an Firmen wie Ceplapharm, Athnas, Euromedica und andere. Schon mal davon gehört? Roche, Novartis und andere Originalhersteller sind nicht mehr im Geschäft und können nicht mehr belangt werden.
Je weiter der Patentablauf zurückliegt, desto kritischer wird die Versorgung, weil weniger Geld zu verdienen ist, obwohl die Lieferketten bis zum geht nicht mehr optimiert wurden. Das ist der Bereich, der am meisten unter Druck steht. Gerade was die Versorgung angeht. Es werden am Schluss Geschäftsentscheidungen getroffen, die nichts mit dem therapeutischen Wert eines Produktes zu tun haben. Und Unternehmen, die resiliente Versorgungssysteme aufbauen, werden nicht belohnt, sondern müssen sich dem Billigstbieterprinzip unterwerfen, das nicht auf Resilienz achtet.
Und dann nützt es auch nichts, wenn man „monetäre Strafen“ für Unternehmen vorsieht, die nicht liefern können, wie es ein Mittepolitiker fordert. Dann werden die oben erwähnten unternehmerischen Entscheidungen noch viel früher getroffen. Toll.

Versorgung ist ein Thema, über das man offensichtlich lieber schweigt. Aber es ist wichtig und komplex. Eine einfache Lösung gibt es nicht. Da kommt dann insbesondere von der Mitte nicht viel mehr als Achselzucken und die Aussage, dass man Preissenkungen und Versorgung getrennt anschauen müsse. Simmer mal ehrlich : das ist doch sehr naiv. Und Konzepte haben sie nur für Preissenkungen. Für Versorgung : nada ausser Bussen für jene, die nicht liefern können. Grandioses „Konzept“ ! Aber immerhin machen sie sich Gedanken. Von den anderen Parteien kommt diesbezüglich gar nichts.

Natürlich muss «man» etwas gegen zu hohe Preise tun. Aber eben mit einem Konzept, das eine gute Versorgung beinhaltet. Nicht Preise senken oder Schleusen öffnen und dann hinterher schauen, was das mit der Versorgung gemacht hat!
Wenn man ein Konzept hat, was man tut, wenn wichtige Medikamente knapp zu werden drohen, dann kann man auch gezielt Preise senken, wo es sinnvoll ist. Dann gibt es auch keine Argumente dagegen.

Das heisst, nicht nach «wishfull thinking» die Preise senken, dass es dann schon nicht so kommt, wie befürchtet. Aber eben mit einem Konzept, wenn das «wishfull thinking» bezüglich der Versorgung nicht eintritt.

Hey Lüt, simmer mol ehrlich! wir reden seit einigen Jahren darüber. Passiert ist nichts!
Das ist eben schwieriger als populistisches Geschrei unter der Überschrift «wir tun etwas». Mit Betonung auf «etwas». Es ist ein Unterschied, etwas zu tun und das Richtige zu tun. Das gilt für alle Seiten des politischen Spektrums.
Es geht um die Behandlung von Patientinnen und Patienten und nicht um Bratwürste oder weisse Socken gopf!

Nun kann man von SP-Seite sagen, die Bürgerlichen hätten das Referenzpreissystem verhindert. Das stimmt, und ich habe sogar mitgeholfen! Nicht weil ich ein besonderer Freund der Pharmaindustrie wäre, sondern weil ich viel mehr Freund der guten Versorgung von Patientinnen und Patienten bin. Seit über 20 Jahren.
Ich bin nicht grundsätzlich gegen die Einführung solcher Preissysteme. Es geht um die Reihenfolge. Das heisst: Zuerst ein Konzept für eine gute Versorgung. Das sind Hausaufgaben, die VORHER gemacht werden müssen. Nicht geplant, sondern umgesetzt.
Dann kann man über alles reden. Weil man es dann intelligent macht und nicht mit dem Haudegen. Und zum Haudegen gehört eben auch die Umsetzung der aktuellen Idee der FDP mit der Aufhebung des Territorialitätsprinzips. Das gehört ins gleiche Kapitel. Klingt gut, wirkt aber kaum und hat viele Nebenwirkungen, gerade was die längerfristige Entwicklung der Versorgung angeht!

Wir brauchen einen Piloten im Cockpit! Den haben wir im Moment nicht. Die Patientinnen und Patienten werden ihrem Schicksal überlassen. Und die Leistungserbringer dürfen dann schauen, dass sie es trotzdem schaffen. Wir sind jetzt schon am Limit.

Die Vorschläge liegen auf dem Tisch. Jetzt vorwärts!
Ja, natürlich. Es ist kompliziert! Und Politiker werden nicht gewählt, weil sie bewiesen haben, dass sie komplexe Zusammenhänge verstehen. Manche schon. Aber nicht, weil sie Politiker sind …
(ich erlaube mir das zu sagen, weil ich früher auch einer war…). Die ganze Welt diskutiert darüber wie man die Versorgung sicherstellen kann und wir in der Schweiz sind immer noch in der Situation, dass wir darüber diskutieren, ob das jetzt wirklich ein Problem ist. Es ist eines! Und logisch hat es auch aber nicht nur mit Preisen zu tun ! SP Srech bisher (nicht von allen!) : die Industrie verdient eh zuviel und das Problem ist international wie können eh nichts tun.


Und sie brauchen jetzt nicht zu kommen und zu sagen, Sie hätten jetzt keine Zeit. Entschuldigung, wir reden seit fast 20 Jahren darüber. Wenn man zugehört hätte, dann gäbe es jetzt ein Konzept! Aber eben: Was nicht sein darf, das ist nicht.
Hey Lüt, simmer mal ehrlich! So wie es jetzt ist, geht es nicht weiter!
Darum Versorgungsinitiative unterschreiben …

Zum Thema Ehrlichkeit gehört zum Schluss auch dies:
Die Chefin des Krankenkassenverbands Santésuisse behauptet, dass mit einer regelmässigen Überprüfung und Anpassung der Preise von Generika und Biosimilars eine Milliarde eingespart werden könnte (Medienmitteilung vom 17.5.2023). Wahrscheinlich wird sie das in ein paar Wochen wieder behaupten.
Es wird munter abgeschrieben und das Argument unhinterfragt übernommen, auch von Bundesstellen.
Dabei wird ein kleines Detail übersehen: Biosimilars hatten 2023 einen Umsatz von 174 Mio. und Generika einen von ca. 900 Mio. bei einem Gesamtmarkt von 6,5 Mrd. (zu Herstellerabgabepreisen). Man rechne sich aus, wie bei einem Umsatz von knapp 1,1 Milliarden eine Milliarde eingespart werden kann.
Hey Lüt, simmer mal ehrlich! Und mit den richtigen Zahlen operieren. Die sind dann halt niedriger, schüren aber keine falschen Erwartungen, die dann zu unüberlegten und konzeptlosen Massnahmen führen, die die Patientinnen und Patienten aussen vor lassen.

Genau solche Aussagen führen dann zu Behauptungen, man könne im Schweizer Gesundheitswesen locker 6 Milliarden einsparen, ohne dass die Qualität leidet. Wenn man so rechnet wie oben dargestellt, kommt man auf eine solche Zahl.
Ehrlich ist das nicht, sondern schlicht populistischer Seich!

Man vergleicht die Preise dann insbesondere mit Ländern, die bereits festgestellt haben, dass sie betreffend Versorgung ein noch grösseres Problem haben als wir.

Insbesondere Frankreich, Holland, Deutschland, Italien, Österreich und die skandinavischen Länder sind daran grundlegende Veränderungen herbeizuführen, weil sie gemerkt haben, dass es so nicht weiter geht. Und wir : wir blenden das aus und unternehmen immer wieder neue Versuche jene Wege zu beschreiten, die andere Länder bereits wieder verlassen, Und wir sind so grausam stolz auf die Preisvergleiche. Versorgungsvergleiche macht man freilich nicht. Aber genau das gehört mit dazu – wenn man mal ehrlich sein möchte.

Wer trägt die Verantwortung ?

Niemand oder alle es bizeli …. so funktioniert’s eben nicht. Es braucht Führung im System.
Deshalb brauchts Ihre Unterschrift unter die Versorgungsinitiative !
Bogen herunterladen kann man hier : www.versorgungsinitiative.ch

Was mich noch mehr umtreibt als die Lieferengpässe sind jene Produkte, die wir ganz verlieren. Ich schreibe nicht von 08/15 Produkten, sondern von solchen, die einen wichtigen Stellenwert haben.
Diese Spirale dreht sich aktuell immer schneller. Es werden bei den Firmen Businessentscheide getroffen. Die therapeutische Wichtigkeit des Produktes spielt dabei leider oft keine Rolle.

Anhand einiger Beispiele will ich die Situation erläutern:

Beispiel 1: Heparin Fertigspritzen

Bis Ende letzten Jahres waren in der Schweiz Fertigspritzen mit so genanntem unfraktioniertem Heparin auf dem Markt. Sowohl die Fertigspritzen mit Heparin-Natrium (Liquemin) als auch jene mit Heparin-Calcium (Calicparin) sind vom Schweizer Markt verschwunden.
https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Heparin-Calcium

Heparin-Fertigspritzen werden zur Prophylaxe venöser thromboembolischer Ereignisse in der Abdominal- und orthopädischen Chirurgie, zur Gerinnungsprophylaxe im extrakorporalen Kreislauf bei der Hämodialyse, bei instabiler Angina pectoris und Nicht-Q-WellenHerzinfarkt in Kombination mit Aspirin sowie zur Behandlung der tiefen Venenthrombose eingesetzt. 
Natürlich gibt es auch fraktioniertes Heparin, mit dem diese Prophylaxe in den meisten Fällen noch verbessert werden kann. Und es gibt auch Tabletten mit sogenannten NOAK’s, mit denen das auch gelingen kann. Deshalb ist der Kreis der Menschen, die mit unfraktioniertem Heparin behandelt werden müssen, in den letzten Jahren immer kleiner geworden.

Das heisst aber nicht, dass unfraktioniertes Heparin obsolet geworden ist, denn die neueren Präparate haben einen Schönheitsfehler:
Für Patientinnen und Patienten mit sehr schlecht funktionierenden Nieren sind diese neueren Präparate nicht geeignet.  Entweder haben sie dafür keine Zulassung oder sie sind kontraindiziert.

Stellen Sie sich folgende Situation vor:
Ein Patient mit einer schlechten Nierenfunktion wird für eine größere orthopädische Operation ins Krankenhaus eingeliefert. Nach den Regeln der Kunst ist eine Thromboseprophylaxe mit 5000 Einheiten zweimal täglich subkutan für 6 Wochen nach der Operation erforderlich. Bisher wurde dies einfach mit Liquemin oder Calciparin Fertigspritzen mit je 5000 Einheiten zu 0,25 bzw. 0,2 ml durchgeführt.

Diese Präparate sind in der Schweiz nicht mehr erhältlich.

Was ist nun zu tun?
Heparin ist weiterhin in der Form 25’000 Einheiten / 5 ml zugelassen.  Nur diese Form wird von den Krankenkassen bezahlt.
Stellen Sie sich nun eine ältere Person vor, die nun selbstständig handeln soll. Das heißt, 2 mal täglich 1 ml aus einer Flasche steril aufziehen und dann subkutan spritzen. 1 ml subcutan ist an sich schon eine Zumutung. Es sind auch keine Durchstechflaschen mehr wie früher, sondern Glasampullen. Das bedeutet, dass eine Weiterverwendung über 24 Stunden hinaus kaum möglich ist. Die Infektionsgefahr steigt.

Super: Aus Sicht der Krankenkassen ist alles ok, wenn die Patienten das selbst können.
Wird auch so bezahlt. Täglich 7.80, davon 4.70 im Eimer entsorgt.  Mit erheblichem Risiko der Fehldosierung, mit entweder erhöhtem Blutungsrisiko oder fehlender Prophylaxe mit nachfolgender Thrombose.

Es gibt intelligentere Ansätze, aber dafür ist unser System nicht geeignet ….
In Frankreich und Italien sind Calciparin-Fertigspritzen noch erhältlich. In Deutschland sind Heparin-Natrium Fertigspritzen zugelassen.

So weit, so gut?

Die Konsequenz ist, dass die Leistungserbringer die Produkthaftung übernehmen und die Pharmakovigilanz international sicherstellen müssen (z.B. bei Chargenrückrufen im Ausland). Jeder einzelne Leistungserbringer muss die Spritzen selber importieren. Ein zentraler Import ist nicht möglich (Handel mit Produkten, die in der Schweiz nicht zugelassen sind).

Und schliesslich müssten die Spritzen auch noch bezahlt werden.
Da diese in der Schweiz eben nicht zugelassen sind, besteht grundsätzlich keine Leistungspflicht der Krankenkassen.
In der Folge braucht es eine Kostengutsprache der Krankenkasse.

Man könnte zwar argumentieren, dass es sich um eine «Versorgungslücke» handelt und die Kosten aufgrund eines Rundschreibens des BAG vom Januar 2023 an sich übernommen werden müssten. Dies führt jedoch oft zu einer intensiven Korrespondenz mit der jeweiligen Krankenkasse mit verschiedenen involvierten Stellen (Spital, Hausarzt, Apotheke etc.), um diesen Umstand darzulegen. Einfacher ist es, dies über eine Kostengutsprache zu regeln. Diese gibt es aber nicht einfach so, sondern nur mit einer ausführlichen Begründung und dem Risiko einer Ablehnung. Und schliesslich darf der Patient das Spital erst verlassen, wenn die Kostengutsprache vorliegt.

Wer ist nun dafür verantwortlich, dass wir in der Schweiz solche Spritzen auf dem Markt haben? natürlich in erster Linie die Industrie. Aber die will nicht, aus welchen Gründen auch immer.  Und nun?

«Wir» kapitulieren und lassen es geschehen. Oder wir haben einen konkreten Massnahmenplan, was wir in solchen Situationen tun.

Dazu müssten «wir» erst einmal feststellen, dass diese Darreichungsform wichtig und unverzichtbar ist. Und wer stellt das fest? Und was machen wir dann damit?

Heparin ist eine Substanz, die auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel des Bundesamtes für wirtschaftliche Landesversorgung steht. Okay, gut. Aber eben, wenn es in der Schweiz keine Zulassungsinhaberin für diese spezielle Anwendungsform gibt, dann kann das BWL auch nichts machen. Es gibt niemanden, den sie zwingen könnten, Pflichtlager anzulegen, und auch niemanden, der allenfalls eine Busse bezahlen müsste, wenn das Medikament nicht verfügbar wäre.

Dann kapituliert man halt («jä nu, isch halt eso») und überlässt es dem «Markt» bzw. schiebt den Ball den Leistungserbringern zu. Die sollen sich darum kümmern.

Oder wir packen das Problem an der Wurzel und schaffen die schwere Niereninsuffizienz ab. Oder wir lassen diese Patientinnen und Patienten ohne Operation.🙃

Wollen wir ein solches System oder gibt es bessere Ansätze und wer definiert diese?

Man könnte solche Fertigspritzen auch öffentlich ausschreiben. Aber wer macht das eigentlich? Gehen die gut finanzierten Krankenhäuser dieses Risiko ein?

Oder ist es eine Frage der öffentlichen Gesundheit, wenn sich niemand findet?

Beispiel 2: Suxamethonium (Succinylcholin)

Suxamethonium steht auf der Liste der lebenswichtigen Arzneimittel des Bundesamtes für wirtschaftliche Landesversorgung. Das heisst, es fällt unter die dort festgelegte Definition von «lebensnotwendig».

Das ist gut so.

Nur: Suxamethonium wurde in den letzten Jahren immer weniger benötigt. Deshalb gibt es weltweit nur noch wenige Anbieter von Ampullen. Verwendet wird es aber immer noch.

Wegen des sehr schnellen Wirkungseintritts und der kurzen Wirkungsdauer wird es vor allem bei Notfallnarkosen zur Blitzeinleitung verwendet. Siehe hier: https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Suxamethoniumchlorid

Dem Schweizer Hersteller der fertigen Ampullen wurde nun die Zulassung zur Produktion sistiert. Die Ampullen sind in der Schweiz nicht mehr erhältlich. Die früher produzierten Ampullen sind ausverkauft. Eine Produktion findet derzeit nicht statt.

Das BWL kann nichts (mehr) unternehmen, da es keinen Zulassungsinhaber in der Schweiz gibt.  Deshalb wird auf der Liste des BWL auch kein Lieferengpass gemeldet.

Auch hier: Das Medikament ist unentbehrlich. Jedes Spital muss das Medikament nun selber importieren. Dies kann zwar über spezialisierte Firmen wie Farmamondo oder Tecrapharm organisiert werden.
Dennoch: Die primäre Produkthaftung liegt beim Krankenhaus bzw. beim Anwender. Die genannten Firmen dürfen die Produkte nicht in der Schweiz lagern, da sie keine Zulassung haben. Sie müssen sie über eine ausländische «Filiale» ausweichen oder ein Zollfreilager zur Verfügung haben. Oder jedes Spital importiert selber.

Die Listung beim BWL wird zur reinen Farce und das schweizerische Zulassungssystem ad absurdum geführt.

Die Kassenpflicht ist hier nicht das Problem, da die Ampullen entweder stationär über Fallpauschalen finanziert werden oder dann Teil des Behandlungskomplexes sind. Es handelt sich um Einmalanwendungen, so dass die Kosten an sich nicht das Problem sind.

Und jetzt?

Auch hier: Wir kapitulieren vor dem System und überlassen die Organisation den Leistungserbringern.

Dann machen wir eben keine Notoperationen mehr ….. und es ist ja auch gut wenn wir das Medi nicht mehr verfügbar haben, denn es wurde auch schon für Giftmorde verwendet… 🙃

Und was genau würden jetzt Konventionalstrafen und Pflichtlager bringen?

Und wer hat jetzt den Lead, dieses anerkannt wichtige Medikament in der Schweiz so verfügbar zu machen, dass die Haftungsfragen klar geregelt sind?
Wer schaut, dass die Zulassung übertragen wird an jemanden, der das herstellen will ? Oder nehmen wir hin, dass wir nach Abregistrierung bis zu drei Jahre warten, bis jemand die ganze Tour durch die Zulassung gemacht hat (so dann jemand gefunden wird … durch wen auch immer)

Weitere Beispiele folgen ….

Versorgung mit Arzneimitteln – ein System auf der Kippe

Essay publiziert in der Schweizerischen Ärztezeitung 21.06.2023

In der Schweiz entscheiden in erster Linie die Pharmafirmen darüber, welche medikamentösen Therapien hierzulande zur Verfügung stehen. Dass diese Philosophie nicht aufgehen kann, haben die Spitäler schon seit Anfang der 2000ender Jahre erfahren, als viele kritische Arzneimittel vom schweizerischen Markt verschwunden sind. Wäre das Heilmittelgesetz im Jahr 2010 nicht grundlegend revidiert worden, wäre die Versorgung spätestens während der Pandemie zusammengebrochen.

Dass Gleiches auch im ambulanten Markt droht, da sich der Markt stark verändert, wollte man lange nicht hören.
Insbesondere neuere Arzneimittel gegen Volkskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder psychiatrische Leiden haben bis vor wenigen Jahren dominiert. Die Innovationskraft der pharmazeutischen Industrie ist ungebrochen. Nur fokussiert diese heute stärker auf gezielte Therapien bei Krebsleiden, bei immunologischen und bei seltenen oder nach wie vor unbehandelbaren Krankheiten. Innovationen gehören heute in der Regel in den Bereich der hochteuren Therapien.
Im groben Kontrast dazu stehen die «alten» Präparate. Verlieren diese das Patent, werden sie auslizenziert und dem allgemeinen Markt übergeben. Rentieren sie nicht mehr, dann werden sie nicht mehr vertrieben. Die Strategien der innovativen Firmen sehen alte Präparate nicht vor. Zum Beispiel werden Präparate wie Valium, Bactrim oder Dormicum schon lange nicht mehr von Roche, sondern durch eher unbekannte Firmen wie Euromedica, Atnahs oder CPS Cito Pharma vertrieben. Die gleiche Entwicklung ist bei fast allen Originalherstellern festzustellen.
Andere Firmen lagern alle alten Präparate in neue Firmen aus – wie Pfizer an Viatris oder MSD an Organon. Auch diese neuen Firmen gehen an die Börse.
Diese Entwicklung hat sich in den vergangenen vier Jahren stark beschleunigt.
Jene Firmen, die die Präparate übernehmen, schwimmen im gleichen Teich wie die Generikahersteller und haben den kleinen Vorteil der Sicherung der Markenrechte des Originals und allenfalls des Registrierungsdossiers. Der Rest ist überall gleich. Alle Firmen müssen sich die Wirkstoffe auf dem Weltmarkt beschaffen oder eigene Produktionsstätten aufbauen. Bei Spin-offs bleiben die bisherigen Produktionsstätten erhalten. Die Lieferketten werden optimiert. Firmen, die noch eine eigene Produktion haben, werden spätestens dann eine Alternative suchen, wenn sie investieren müssten. Ganz wenige Firmen sind philanthropisch eingestellt – es gibt sie noch. Personelle Wechsel in diesen Unternehmen können allerdings zu Richtungswechseln führen. Rentabilität ist oft die Priorität und die einzelnen Medikamente respektive deren Einsatz in der Therapie verlieren ihren Stellenwert.
Zwar ist der Standard für die Produkte bezüglich der Qualität überall gleich und wird auch international kontrolliert. Die Rahmenbedingungen könnten jedoch unterschiedlicher nicht sein. Wirkstoffproduktion ist energieintensiv, ist unkontrolliert eine grosse Belastung für die Umwelt und oft sind die Arbeitsbedingungen in asiatischen Ländern nicht besonders gut.
Wer in diesem Umfeld in einem europäischen Land in eine Produktionsstätte investieren muss, überlegt es sich zweimal. Der Wettbewerb und die Regulierungen bevorzugen sie nicht, genauso wenig wie Hersteller, die «Multisourcing» betrieben, ihre Lieferketten also grundsätzlich auf Resilienz auslegen. Der günstigste Anbieter setzt den Preis, alle anderen müssen folgen. Ob die Versorgung damit gesichert ist, ist egal.
Je grösser die Rendite sein muss, desto kleiner und fokussierter wird das Angebot. Die Reduktion geht zu Lasten der «unrentablen» Wirkstoffe wie Antibiotika oder der aufwändigeren Randformen, wie jener für Kinder, für die Palliativmedizin oder für Spitalpräparate. Diese werden verdrängt zu Gunsten von Medikamenten wie Biosimilars, die eine grössere Rendite abwerfen als es beispielsweise Parkinsonmedikamente tun.
Eine amerikanische Studie hat kürzlich den Weltmarkt von patentfreien Wirkstoffen untersucht und festgestellt, dass es für einen Drittel der Wirkstoffe weltweit gerade mal einen Hersteller gibt1. Für einen weiteren Drittel gibt es zwei bis drei Hersteller und für einen weiteren Drittel vier oder mehr.  Je länger der Patentablauf zurückliegt, desto weniger Hersteller gibt es. Rund 10% der Produktionsstätten haben zudem in den vergangenen fünf Jahren von der FDA einen Warning-Letter erhalten. Das heisst konkret: es muss investiert werden, sonst wird der Firma die Bewilligung entzogen, unabhängig vom Stellenwert des Wirkstoffs in der Therapie. Auch dann, wenn sie die Einzigen Produzierenden weltweit sind.
Freilich gibt es noch Hersteller von Wirkstoffen in Europa, insbesondere in Italien. Die Schweiz kommt in der bereits erwähnten amerikanischen Studie gar nicht vor. Europäische Werke laufen rund um die Uhr oder sie rentieren nicht. Das heisst dann auch: wenn ein anderer Hersteller ausfällt, gibt es keine Reaktionsmöglichkeiten, insbesondere wenn die asiatische Konkurrenz einen hohen Marktanteil hat.
Ganz aktuell kommen Lieferschwierigkeiten bei der Verarbeitung zum verwendungsfertig verpackten Medikament dazu. So ist der Preis für Pharmaglas wegen des Krieges in der Ukraine stark gestiegen. Die Verfügbarkeit von Plastikbehältern ist eingeschränkt, ja sogar Karton ist ein knappes Gut, Energiekosten explodieren, Fachkräfte sind knapp, einige Hilfsstoffe sind beschränkt lieferbar. Also was macht man dann als Firma? Entweder eliminiert man ein unrentables Produkt ganz oder man setzt auf jene, bei denen die Rendite am grössten ist. So dreht sich die Spirale weiter. In Deutschland hat sich im Herbst 2022 der zweitletzte Hersteller von Paracetamol-Sirup aus dem Markt zurückgezogen, so dass die ganze Versorgung nur noch von einem einzigen Anbieter abhängig ist. Zehn Jahre zuvor waren es noch zwölf Anbieter. In der Schweiz gibt es zwei Anbieter, der eine kann allerdings seit Monaten nicht liefern.  Nur noch ein Hauptanbieter übrig | PZ – Pharmazeutische Zeitung (pharmazeutische-zeitung.de)

Jetzt mag man vom Büro in Solothurn, von der Einsteinstrasse in Bern oder vom Liebefeld aus sagen, dass das eine globale Entwicklung sei, die ja maximal einen indirekten Bezug zur Schweiz habe. Machen könne man eh nichts, ausser mitzuschwimmen in dieser Entwicklung und davon zu profitieren.

Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Es wäre falsch zu behaupten, dass in der Versorgung der schweizerischen Bevölkerung der Preis keine Rolle spielt. Ebenso falsch wäre die pauschale Behauptung, dass allein der Preis die Lösung aller Probleme sei. Auch die Aussage, dass andere Länder auch Lieferschwierigkeiten haben, der Preis also per se keine Rolle spielen könne, ist bei genauerer Betrachtung höchstens eminenz-basierte Behauptung. Zum Vergleich: Ein einzelner Schneefall im Mai lässt auch keine Rückschlüsse auf die Klimaveränderung zu.
Wird ein Gut knapp, werden die Märkte mit der höchsten Renditeaussicht bevorzugt bedient.
Ist die Nachfrage gross und das Angebot klein, dann steigt der Preis. Wird das Angebot knapp, werden jene Länder bevorzugt versorgt, in denen sich aufgrund der gegebenen Umstände noch Geld verdienen lässt: Deckt der staatlich verordnete Preis die Kosten, dann gibt es das Präparat. Genau das sehen wir im Moment mit einfachen Substanzen wie beispielsweise Ibuprofen, Paracetamol oder Amoxicillin.

1 Socal M.P., Ahn K., Greene J.A., Anderson G.F. (2023) Competition and vulnerabilities in the global supply chain for US Generic Active Pharmaceutical Ingredients, Health Affairs, 42; 3 

In der Schweiz war die Versorgung mit Paracetamol-Sirup kaum eingeschränkt, während Länder wie Frankreich oder Deutschland grosse Probleme hatten. Beim Amoxicillin war der weltweite Bedarf so gross, dass auch der Preisunterschied kaum eine Rolle spielte. Beim Ibuprofen-Saft ist es ebenso. Wenn einer zur Verfügung steht, dann solch ein Sirup, der keinen administrierten Preis hat, bei dem die Preisgestaltung also frei ist.
In der Schweiz kommt eine entscheidende Komponente dazu, die das Problem verschärft: die Grösse des Marktes. Wir haben rund acht Millionen potenzielle Patienten. Je «kleiner» die Krankheit, desto weniger potenzielle Kunden gibt es für das Medikament. Das führt zu einem eingeschränkten Angebot. Viele patentfreie Originale haben in der Schweiz keine generische Alternative. Nicht weil sie wenig gebraucht würden, sondern schlicht und einfach, weil der Markt für mehrere Anbieter zu klein ist. Das gilt selbstredend auch für die verschiedenen Arzneiformen. Zäpfchen bringt man nun mal in keine Vene. Ein Wirkstoff ist noch keine Arzneiform.

Die Philosophie, dass allein die Zulassungsinhaber die Möglichkeiten der Arzneimitteltherapie bestimmen, ist zu hinterfragen.
Die bisherigen Definitionen des Bundesamts für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) für die Einschätzung der Wichtigkeit von Arzneimitteln sind nicht geeignet, da die Problematik weit über den Auftrag via Landesversorgungsgesetz hinaus geht.
Kantone können allerdings kaum einen Beitrag zur besseren Versorgung leisten, da sie keine Möglichkeiten haben, die relevanten Rahmenbedingungen zu verändern und durchzusetzen.
Es muss endlich jemand definieren, was für die Therapie von Erkrankten wichtig ist. Oder wollen wir ernsthaft behaupten, dass es uns egal ist, wenn uns zum Beispiel Vitamin-K-Ampullen oder Parkinsonmedikamente fehlen, weil niemand mehr bereit ist, ein Präparat im Markt zu halten?
«Public-private Partnership», also die Zusammenarbeit von öffentlicher Hand und privaten Unternehmen, ist ein möglicher Ansatz. Und der benötigt Führung durch den Bund. Deshalb braucht es zwingend eine Bundeskompetenz und ein Konzept, das die Versorgung nachhaltig stärkt.  Die adäquate Therapie von Patientinnen und Patienten darf nicht zum Spielball zwischen Behörden und Industrie werden und via Abladen der Verantwortung allein an die Leistungserbringenden delegiert werden. Was die Behörden bisher gemacht haben, ist einzig Symptombekämpfung. Und auch die erst, als die Situation zu eskalieren drohte.

Lieferengpässe – Staat oder Nicht-Staat oder wieviel Staat ?

Lieferengpässe sind ein aufgebauschtes Thema der Pharmaindustrie zum Durchbringen höherer Preise, sagen gewisse Kreise. Sie sind der Meinung, dass das Problem nicht gravierend sei und die Wirtschaft noch immer kreative Lösungen gefunden habe. Zur Untermauerung ihrer These wird das ganz aktuelle Beispiel der Versorgung mit Methadon beigezogen. Dies sei das Paradebeispiel dafür, dass die Wirtschaft die Probleme alleine lösen könne. Sehr oberflächlich betrachtet könne man tatsächlich zu diesem Schluss kommen.

Doch stimmt das wirklich ? Hält die Aussage einem Faktencheck überhaupt Stand ?

Methadon steht auf der Liste der meldepflichtigen Arzneimittel des Bundesamtes für wirtschaftliche Landesversorgung BWL. Methadonpräparate unterstehen auch der Pflichtlagerhaltung.
Soweit so gut. Mit der Sistierung der Bewilligungen der Amino AG durften dort Methadon-Präparate weder hergestellt noch ab der Firma ausgeliefert werden. Es durften nur noch jene Präparate verwendet werden, die bereits im Markt waren, das heisst in den Lagern der Grossisten, Apotheken und selbstdispensierenden Ärzte. Dass dies möglich war, bedurfte einer ersten Absprache von Bundesstellen (Swissmedic und BWL).
Da der Zulassungsinhaberin die Bewilligung sistiert wurde, war auch das Pflichtlager blockiert. Die Pflichtlagerware durfte nicht ausgeliefert werden.
Da es sich bei Methadon um eine Substanz handelt, die auf der BWL-Liste verzeichnet ist, konnte das BWL aktiv werden. Sie hat einen Hersteller gesucht, der bereit war, die höheren Dosen von Methadon im Lohnauftrag herzustellen. Die Lohnauftraggeber waren in diesem Fall Apotheken, Lohnauftragnehmer war die Firma Streuli.
So einfach möchte man meinen. Effektiv hat’s einige Verhandlungen und Überzeugungsarbeit durch das BWL gebraucht bis das funktioniert hat. Gleichzeitig hat Swissmedic die Grenzen der gemäss Gesetz und Verordnungen vorgegebenen Regelungen sehr stark ausgereizt und mit dazu beigetragen, dass die Versorgung möglich blieb. Ein kurzfristiger Import war in diesem Mengen nicht möglich, da es sich beim Methadon um ein Betäubungsmittel handelt. Der Staat hat also auf allen Ebenen interveniert.
Die „kreative Lösung der Wirtschaft“ hat darin bestanden, dass eine Firma da war, die das überhaupt konnte, die bereit war kurzfristig Kapazitäten zur Verfügung zu stellen und einen Deal abzuschliessen. Dass das alles ging, beanspruchte mehrere staatliche Institutionen.
Ein klassisches Public-Private-Partnership. Mit Koordination durch den Staat.
Die „Wirtschaft“ hat geholfen das Problem zu lösen, der Staat hat koordiniert.
Und von den Krankenkassen habe ich hier noch gar nicht gesprochen.

Dann ist ja alles ok, es hat ja funktioniert möchte man sagen.
Das Beispiel spielt sich im Bereich Symptombekämpfung beim Auftreten eines Lieferengpasses ab. Da wurden – ebenfalls durch den Staat – diverse Massnahmen getroffen, die uns darin unterstützen mit dem bereits bestehenden Problem überhaupt einigermassen umgehen zu können. Das funktioniert für Substanzen, die beim BWL gelistet sind. Bei solchen die es nicht sind, läuft’s dann eben nicht so. Da wären die Kantone in der Pflicht gemäss Bundesverfassung. Und genau hier liegt die Crux in der Sache. Wie gross der Anteil der Lieferengpässe der beim BWL gelisteten Medikamente ist, ist auf der hier verlinkten Grafik zu sehen. Nota bene: Drugshortage.ch sammelt nur Daten von verschreibungspflichtigen Präparaten und solchen, die von den Krankenkassen bezahlt werden. 80% der Meldungen stammen von den Firmen selber.

Wie bereits beschreiben: es sind Massnahmen zur Symptombekämpfung bei eigetretenen „Versorgungsstörungen“.
Das grundlegende Problem ist damit jedoch nicht angegangen. Nämlich jenes, dass heute viele Präparate insbesondere von Randformen ganz vom Markt verschwinden oder in der Produktion hinten an gestellt werden. ich werde mich dazu in einer der nächsten Nummern der Ärztezeitung äussern. Sobald der Artikel draussen ist, werde ich ihn hier verlinken.

Dann kam die Idee auf Labels zu verteilen für zuverlässige Firmen oder für Firmen, die mehrere Wirkstofflieferanten im Hintergrund haben. Das ist ja schön und gut, jedoch auch nicht wirklich zu Ende gedacht. Was macht eine Firma, wenn sie zu den Labelträgern gehören will und Präparate auf dem Markt hat, bei denen sie nicht in der Lage ist eine zuverlässige Lieferkette zu installieren? Es ist einfacher das Produkt ganz zu eliminieren und sich dieser Last zu entledigen. Und schon verlieren wir noch mehr Medikamente, unabhängig von ihrem therapeutischen Stellenwert.
Oder man verteilt Labels für Firmen, deren Präparate mindestens zwei Lieferanten im Hintergrund haben. Das ist an sich ein guter Weg, den man unbedingt verfolgen müsste. Es gibt dabei jedoch mehrere Probleme: Diese Massnahme wirkt im besten Fall langfristig und müsste auf mehrere Grundvoraussetzungen zurückgreifen, die heute nicht gegeben sind. Diese Grundvoraussetzungen brauchen – richtig – wieder den Staat.
D.h. es müsste Transparenz geschaffen werden. Das ist heute nicht gegeben. Die Behörde weiss zwar, welche Hersteller dem Präparat zugeordnet sind. Sie hat von den Marktanteilen jedoch keine Ahnung. Und für’s Publikum sind die Daten nicht transparent einsehbar. Wir wissen fast bei jedem Liter Milch den Namen der Kuh. Bei den Medikamenten ist es nicht so. Wir wissen nichts von den Herstellern und können so auch keine Risikoabschätzung eines Lieferausfalls machen. Transparenz wird international gefordert.
Sollte dann jemand so ein Label kriegen, der zwar zwei Hersteller nachweisen kann, einer davon jedoch einen Anteil von maximal 1% hat und der andere die 99%. Dann nützt die ganze Massnahme nichts. Und wie genau würde man jetzt eine taugliche Lösung ohne den Staat hinkriegen ? Und bezieht sich das dann allein auf die Wirkstoffe ? Aktuell haben wir einige Beispiele von Medikamenten, die nicht geliefert werden können, weil Packmittel fehlen. Und so gibt’s von einem Schmerzmittel zwei Zulassungen – eins mit der nicht mehr lieferbaren eckigen Büchse und das andere mit der jetzt verfügbaren runden Büchse.

Ich bin damit einverstanden, dass der Staat nicht operativ einwirken sollte oder nur dann wenn gar nichts mehr geht (steht übrigens in der Versorgungsinitiative genau so drin).
Es braucht jedoch eine Instanz, die koordiniert. Das was wir bis jetzt haben ist ganz eindeutig zu wenig, insbesondere sind die Kompetenzen zwischen Bund und Kantonen nicht geklärt, respektive so, dass jene, die eigentlich verantwortlich wären (die Kantone) nichts tun können, weil die Rahmenbedingungen andernorts definiert werden – nämlich beim Bund.
Das hält im Übrigen auch der Bericht des Bundesrates zur Versorgung (2022) fest (Seiten 29, 34, 60). Den Meisten ist klar: Es braucht eine Bundeskompetenz.

Den Staat aussen vor zu lassen ist in diesem extrem stark regulierten Umfeld schlicht nicht realistisch. Ich selber habe vor rund drei Jahren diverse Vorschläge gemacht. Ein Teil davon wurde auch umgesetzt. Ein Teil davon wurde bereits in der Taskforce diskutiert. Das ist allerdings noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Es braucht viel mehr. Es geht unter anderen auch um Themen wie CEP der EDQM, MOQ, Onshoring, Internationale Koordination etc. etc.; Sehr vieles bewegt sich ausserhalb von Preisdiskussionen.

Die Taskforce hat ihre Arbeiten abgeschlossen. Der Bericht wird im Moment erstellt und sollte in den nächsten Monaten präsentiert werden. Viele der Mitglieder des Initiativkomitees der Versorgungsinitiative haben sich dort aktiv eingebracht und an den Vorschlägen mitgearbeitet. Das BAG hat hier zusammen mit dem BWL einen sehr guten Job gemacht und die Diskussionen wurden in allen Teilen sehr professionell geführt. Alles ist auf den Tisch gekommen und wurde konstruktiv diskutiert. Alle – Vertreter der Industrieverbände, der Ärzte- und Apothekerverbände, der Grossisten, die Vertreterin der Patientinnen, der Vertreter des einen Krankenkassenverbandes und die Vertreter der verschiedenen Behörden – haben zu einem sehr differenzierten Bild beigetragen. Die Mitglieder des Initiativkomitees sind überzeugt, dass die Initiative den anschliessenden parlamentarischen Prozess unterstützt. Die Offenheit für bessere Vorschläge ist da. Der Bericht der Taskforce wird die Basis dafür legen. Die Initiative den notwendigen Druck, damit die Vorschläge der Taskforce dann auch tatsächlich umgesetzt werden und der Boden gelegt wird, die Bundeskompetenz in der Verfassung zu verankern.

Wenn man das Umfeld a fond kennt, dann lässt sich sogar glaubwürdig über gezielte Preissenkungen diskutieren, da bin ich durchaus bereit mich daran zu beteiligen. Das habe ich in meinem oben verlinkten offenen Brief auch aufgezeigt. Es gibt Medikamente, die viel zu teuer sind – sogar im günstigen Bereich.
Preissenkungsdiskussionen laufen heute extrem undifferenziert. Bei jeder Preissenkungsdiskussion braucht es jedoch eine klare Idee darüber, welche Auswirkungen sie auf die Versorgung hat. Das was wir heute tun ist bezüglich der Versorgung konzeptlos. Hauptsache Preise werden gesenkt. Dagegen wehre ich mich. Ein Konzept würde sogar eine einfachere Verhandlungsposition nach sich ziehen. Das ist eben dann etwas komplexer.
Zum Schluss noch der Hinweis auf meine Kolumne in Medinside vom 7.1.2023 daran hat sich – mindestens bis jetzt – nichts geändert.






Viktor Award 2022 – Hoch und Tief an einem Tag

Ich bin überwältigt und glücklich über den Gewinn des Preises als «Herausragendste Persönlichkeit im Gesundheitswesen» im Jahr 2022. Ich gehe für einmal nicht davon aus, dass das Wort «herausragend» sich auf meine Körpergrösse bezieht.

Ich sehe es als Anerkennung meiner Arbeit rund um die gute Versorgung von Patientinnen und Patienten mit der bestmöglichen Therapie und meiner Arbeit rund um die Patientinnensicherheit bei der Medikation an.
Es ist eine grossartige Anerkennung, die mir extrem gutgetan hat!  Ich danke allen, die mich beim Publikumsvoting unterstützt haben und ich danke der Jury, die mich auf den ersten Platz gestellt hat.
Es ist nicht nur eine Anerkennung für mich, sondern für alle Apothekerinnen und Apotheker und ihre Teams wie auch die Ärztinnen und Ärzte und die Pflegenden, die sich tagtäglich mit dem Thema der Lieferengpässe und deren Folgen auseinandersetzen müssen.

Über 20 Jahre beschäftige ich mit diesem Themenkreis. Zuerst war es das im Jahr 2002 in Kraft getretene Heilmittelgesetz und vor allem dessen Interpretation durch die Gerichte, das uns vollständig dem Willen der Industrie auslieferte. Was nicht in der geeigneten Form verfügbar war, haben wir früher herstellen lassen. Was nicht lieferbar war, hatten wir damals schon importiert. Das war plötzlich nicht mehr möglich oder wurde mit sehr viel Bürokratie verschärft. Im Jahr 2004 wurden wir endlich angehört und haben anschliessend zusammen mit Kolleginnen und Kollegen für eine gute Lösung gekämpft und auch an dieser mitgearbeitet.
Das ging letztendlich nur deshalb, weil wir die Industrie – allen voran damals den Verantwortlichen von Science Industries Dr. Dieter Grauer für uns gewinnen konnten. Der Widerstand der Industrie war so gebrochen. Ich mag mich gut daran erinnern, dass ich im Jahr 2006 mit einer Tüte voll «illegalen» Medikamenten in der SGK-S unter der Leitung von Ständerat Urs Schwaller aufgetaucht bin und die Problematik aufgezeigt habe – mit praktischen Beispielen.
2008 schlussendlich hatten wir es geschafft. Das Heilmittelgesetz wurde mit Blick auf die gute Versorgung revidiert. Wir hatten die Flexibilität wieder unter klaren Bedingungen. Nota bene: ohne diese Flexibilität hätten wir spätestens während der Pandemie grosse Probleme in der Versorgung gehabt. Und gerade jetzt wären wir auch bezüglich der Herstellung von Ibuprofen-Fiebersäften chancenlos gewesen. «Er lehrte das Heilmittelinstitut Swissmedic das Fürchten» hiess damals die Schlagzeile im Tagesanzeiger.
Richtig : durch diese Arbeit bin ich «maniac» im Thema Versorgung geworden. Wadenbeisser würde man sagen. So richtig penetrant. Das können einige «leidtragende» bei den Behörden und bei der Industrie bestätigen. So ein richtiger Oberländer Dickschädel (entgegen der landläufigen Meinung geht der Dickschädel nicht (immer) zu Lasten des Inhaltes ..).
Ich habe mich stets bemüht sehr differenziert zu argumentieren, weshalb ich sehr oft auf offene Türen und zum Teil sogar auf offene Ohren stiess.

Damals betraf das Problem der Lieferengpässe primär die Spitalpräparate. Der ambulante Bereich war auch damals schon betroffen insbesondere bei den Kinderarzneimitteln. Das wollte schon damals niemand hören. Verschiedene Formen standen schon damals nicht zur Verfügung.

Ab ca. 2012 war zunehmend der ambulante Bereich betroffen. Wiederum mit Kollegen wurden wir damals noch einmal beim BAG vorstellig. Problematik war schon damals, dass die Verfassung dem Bund sehr enge Schranken setzte. Denn für die Versorgung sind primär die Kantone zuständig. Das ist in der Schweiz das eigentliche Grundübel. Es ist niemand wirklich zuständig.
Aufgrund dieser Gespräche wurde dann im Jahr 2015 die Meldeplattform des BWL eingerichtet. Natürlich innerhalb des definierten Auftrages – vorgegeben durch die Verfassung und das Landesversorgungsgesetz – in einem eng definierten Rahmen der «lebenswichtigen» Medikamente. Genau das hat später zu sehr vielen Missverständnissen geführt, da alle meinte, diese Meldeplattform erfasse alle verschreibungspflichtigen Medikamente. Was sie eben nicht tut.
Genau das ist der Grund weshalb ich 2015 mit der Plattform Drugshortage.ch begonnen habe.
In einer Nacht des Ärgers als wir wieder einmal mit einer Nichtlieferung konfrontiert waren und dann später erfahren mussten, dass das Medikament über mehrere Wochen nicht lieferbar war, habe ich den Entschluss gefasst zu handeln und die Lage zu dokumentieren. Gerade weil die Meldeplattform des BWL auftragsgemäss Vieles nicht auflisten konnte.
Apotheker provoziert Pharmabranche hiess damals die Schlagzeile im Tagesanzeiger. Prompt wurde ich von einer Firma mit rechtlichen Schritten bedroht, wenn ich nicht sofort aufhöre damit. Auch kartellrechtliche Argumente wurden vorgebraucht, was mich an sich darin bestärkte erst recht weiter zu machen. Die Firmen dürfen ja nicht miteinander sprechen und haben keine Chance zu sehen, weshalb ihre Verbräuche nun plötzlich steigen.
Ein guter Freund sagte mir, dass kaum etwas zu fürchten sei, da das öffentliche Interesse höher zu gewichten sei. Ich solle jedoch vorsorgen und eine GmbH gründen, was ich dann auch zusammen mit meiner Frau gemacht habe. Zwei Firmen konnte ich gewinnen (Mepha und GSK), die ihre Daten selber eingaben. Weitere kamen dazu. Der Deal war, dass ich die Konkurrenzdaten einmal pro Woche nachpflege. Seither pflege ich Woche für Woche in meiner Freizeit die Daten jener Firmen, die ihre Daten nicht selber eingeben – auch in den Ferien und auch über Feiertage. Mittlerweile seit bald 8 Jahren. Der Unkostenbeitrag (sichtbar auf der Webseite) deckt gerade die Kosten. Einige haben gedacht, dass sei ein „passagerer Furz“ und der Oberländer höre dann mal von selber auf. Falsch gedacht…..
Heute stammen rund 80% der Meldungen von Lieferengpässen direkt von den rund 40 meldenden Firmen. Und immer noch werde ich ab und zu mit rechtlichen Schritten bedroht. Und auch immer wieder wird die Frage gestellt, ob ich irgend ein Mandat haben würde. Habe ich explizit nicht. Völlig crazy – aber es ist mir extrem wohl dabei.
Während der Pandemie habe ich kurzfristig für den Bund im Hintergrund der Webseite eine Meldeplattform aufgebaut. Dort haben die Spitäler während fast zweier Jahre wöchentlich ihre Warenbestände eingetragen – kostenlos für den Bund. Ganz bewusst. Statt Excellisten zu schicken und damit dann auf Bundesseite jemanden einen ganzen Tag pro Woche damit zu beschäftigen die Daten von rund 70 meldenden Spitälern zusammenzutragen gabs diese Angaben auf Knopfdruck.

Zwischenzeitlich kamen immer wieder Leute zu mir, die mir die Datenbank abkaufen wollten, um daraus ein kommerzielles Projekt zu machen (Der Wert der Datenbank wurde von der Uni Genf für ein Projekt einmal tief sechsstellig geschätzt). Das habe ich immer abgelehnt und werde das auch weiterhin tun. Es darf kein kommerzielles Projekt sein. Für wissenschaftliche Arbeiten stehen die Daten kostenlos zur Verfügung. So läuft aktuell ein Projekt am Unispital Genf (Yassine Dhif), das die Datenbank zusammen mit internen Daten und dem Einsatz künstlicher Intelligenz für Vorhersagen braucht. Früher war’s für ein Projekt der Fachhochschule Bern (Stefan Grösser) oder der Universitäten Basel und Duisburg/Essen (Katharina E. Blankart und Stefan Felder).

Ich habe immer gesagt: ich höre dann mit der Datenbank auf, wenn die Meldepflicht für alle verschreibungspflichtigen Produkte eingeführt ist. Oder bei meiner Pensionierung. Je nachdem was früher eintritt. Ich habe also noch Zeit. Allerdings weiss ich nicht, ob beim aktuellen Tempo meine Donnerstagabende bald völlig frei von Arbeit werden.

Klar wird die Datenbank mittlerweile auch gebraucht, um politisch zu argumentieren. Das soll auch so sein. Im Sinne der Versorgungssicherheit. Und klar kann man das auch missbrauchen.
Dadurch erwächst mir der Vorwurf der Industrienähe.
Dieser Vorwurf ist schon deshalb sehr speziell, weil ich früher für viele in der Industrie als potentieller Feind angesehen wurde. Verändert habe ich nichts. Ich habe ein klares Ziel, die Verbesserung der Versorgung. Und alles was dazu führt, dass sich die Versorgung potentiell verschlechtert, bekämpfe ich.
So habe ich bei der Debatte rund ums Referenzpreissystem immer gesagt, dass wenn man ein solches einführen wolle, dann müssten die Rahmenbedingungen zur Sicherstellung der Versorgung stimmen. Die Versorgung kommt zuerst. Regelt man das nicht, dann wird man immer wieder mit dem Thema konfrontiert und jede Preisverhandlung und jeder Preissenkungsversuch wird immer mit der Drohung der Verschlechterung der Versorgung abgetan. Aus dieser Spirale kommen kann man nur, wenn man hier klare Bedingungen für den Erhalt der Versorgung schafft. Ich habe damals, als es um die Debatte um einen Vorstoss meines ehemaligen Parteikollegen Hess ging, allen Nationalrätinnen und Nationalräten einen offenen Brief dazu geschrieben und konkrete Massnahmen vorgeschlagen. Dies hat mich auch zur Erkenntnis gebracht, dass ich politisch ungebunden sein muss, damit ich keine Rücksicht nehmen muss und habe meine 10-jährige politische „Karriere“ mit dem Austritt aus der Partei abgeschlossen. Nicht im Ärger, sondern um frei von parteipolitischen Rücksichtnahmen zu sein.
Ich habe über all diese Jahre mit vielen National- und Ständerätinnen über die Thematik diskutiert und für sie auch Vorstösse geschrieben. So unter anderen für Paul Günther, Simonetta Sommaruga, Bea Heim und Ruth Humbel – was mein Wadenbeisserimage natürlich weiter gefördert hat.
Seit meinem offenen Brief vom Oktober 2020 ist praktisch nichts gegangen. Etwas ist konstant geblieben: Wir haben weitere Medikamente verloren (die machen mir noch fast mehr zu schaffen als jene, die nicht lieferbar sind) – gerade auch in der Kinder- und Palliativmedizin – und es fühlt sich nach wie vor niemand verantwortlich.
Auch das hat mich geärgert. Ich habe diesem Ärger in einem Blog Luft gemacht als ein zwar selten gebrauchtes, aber dennoch wichtiges Herzmedikament verschwunden ist und habe mal die Konsequenzen für uns Leistungserbringerinnen dargestellt.
Mein Blog ist meine Psychohygiene. Dort wird auch mal etwas härter formuliert. So ärgert es mich besonders, wenn wir Leistungserbringer die Thematik im Prinzip alleine lösen müssen und dafür noch die Kappe gewaschen kriegen.  Auch das habe ich in einem Blog beschrieben. Und auf das hat dann letztendlich das BAG reagiert und über Weihnacht/Neujahr 22/23 neue Regeln zur Abrechnung von Importen und Herstellungen erlassen. Die haben dann allerdings leider mehr Fragen als Antworten offengelassen. Und es gab leider auch Krankenkassen, die die Bürokratie damit ins unermessliche trieben und immer noch treiben. Oder sich dann in schlichter Polemik üben und dem Thema eher schaden als nützen. So wie gerade jetzt im Blick, der titelt, dass sich die Apothekerinnen und Apotheker im Thema bereichern würden. Das ist derart völliger Blödsinn. Aber leider eben üblich. Und auch die können nicht wirklich rechnen. Von der Seite des einen Verbands bin ich solche unqualifizierten und diffamierenden Attacken leider gewohnt.

Genau das führt mich zum Tiefpunkt an diesem Freudentag
Hintergrund ist ein persönlicher Angriff auf meine Person, der typisch aufzeigt, wo das Thema der Lieferengpässe in einigen Köpfen nach wie vor ist: Was nicht sein darf, das ist nicht und basta. Wer das Gegenteil behauptet, ist ein Verbündeter der Pharmaindustrie.
Deshalb hat mich dieser Preis – gerade an diesem Tag – besonders gefreut.

Der Post in einem Krankenkassenverbands-Newsletter und auf Linkedin hatte zum Ziel meine Glaubwürdigkeit zu unterwandern, indem mir vorgeworfen wurde, ich würde vor allem via soziale Medien nur Polemisieren mich undifferenziert äussern und indirekt die Angst von Patientinnen und Patienten für Eigeninteressen missbrauchen. Dieser Teil des Angriffs hat mich besonders getroffen. Eigeninteresse ? Als fest angestellter Apotheker mit fixem Lohn, der in keiner Weise vom Medikamentenertrag abhängt – und insbesondere dessen Aufgabe im Spital es ist, günstig einzukaufen und eben auch die Versorgung sicherzustellen.
Dabei wurde behauptet es würden aktuell lediglich acht Wirkstoffe fehlen. Freilich wurde dabei übersehen, dass es um die neulich publizierten Wirkstoffe mit Teilabgabe handelt (es macht ja kaum Sinn Teilabgaben bei chronischen Therapien oder Spitalpräparaten zu machen).
Auch freilich wurde übersehen, dass es schon alleine auf der Webseite des BWL (die zur Untermauerung der Aussage verlinkt wurde) eine zweite Liste hat mit deutlich mehr Wirkstoffen mit Versorgungsstörungen und auch freilich wurde übersehen, dass auch das BWL nur einen geringen Teil der aktuellen Lieferengpässe von verschreibungspflichtigen Präparaten auflistet.
Dieser Post hat mich auch getroffen, weil er von einer Person stammte, in die ich bisher grosses Vertrauen hatte. Das hat mich auf der persönlichen Ebene enttäuscht.
Dass er mich als Zielscheibe hatte, mit dem kann ich an sich umgehen. Ich hatte während meiner Zeit als Politiker schlimmere Angriffe zu ertragen. Dieser Post hat jedoch eine ganze Branche diffamiert. Die Pflegerinnen und Pfleger, die Apothekerinnen und Apotheker wie auch die Ärztinnen und Ärzte, die tagtäglich mit der aktuellen Krise – ja es ist eine Krise! – umgehen müssen.

Es fehlen aktuell eben nicht nur 8 Wirkstoffe. Auch wenn man mit den Begriffen «Lieferengpass» und «Versorgungsengpass» zu spielen versucht ist die Zahl 8 weit von der aktuellen Situation entfernt. Nimmt man das Wort Versorgungsengpass, darf man klar sein : Es fehlen Stand 2. April 2023 bei 178 Wirkstoffen in bestimmten Dosierungen und Formen alle Präparate von allen Herstellern. Davon sind deren 16 auf der BWL und deren 58 auf der WHO List of essential drugs verzeichnet. Insgesamt sind 1030 Medikamente gerade nicht lieferbar.

Den Hintergrund des Angriffs kann ich sogar nachvollziehen:  Die Initiative zur Versorgungssicherheit. Pharmasuisse, der Schweizerische Apothekerverband ist meinem Rat gefolgt und macht dort mit. Das war der Stein des Anstosses.
Im Vorfeld wurde – ohne Kenntnis des Initiativtextes – von einigen Medien viel von der Pharmaindustrie-Initiative zur Erhaltung hoher Preise gesprochen. Es wurde auch von Heimatschutzinitiative gesprochen.
Klar ist: Wenn ich irgendwo mitmache und mit meinem Namen an vorderster Front hinstehe, dann pflege ich mir genau zu überlegen für was genau, insbesondere dann, wenn ich meinen Berufsstand (Pharmasuisse und GSASA) da mit rein ziehe.
Bei den Diskussionen rund um die Verfassung dieses Textes habe ich meine Bedingungen immer klar gemacht: Bei einer Preis- und Heimatschutzinitiative mache ich nicht mit. Das ist jenen, die mich gut kennen völlig klar.  Wer mich kennt weiss genau, dass ich mich weder missbrauchen noch instrumentalisieren lasse. Ich kann unglaublich konsequent (meine Frau sagt dem stur …) sein.
Für mich ist im Zusammenhang mit der Versorgung klar: undifferenzierte Diskussionen – auch von Krankenkassen – über Arzneimittelpreise helfen hier gar nichts. Es ist genauso falsch zu sagen, dass die Erhöhung eines Preises für die Verfügbarkeit eines Medikamentes ein Allheilmittel ist, genau so wie es falsch ist, dass man diese Diskussion völlig losgelöst von Preisen führen kann. Man muss mit offenem Geist an die Sache ran. Es ist ernst genug und es eilt … zu lange hat man die Thematik verschlafen.

An der Pressekonferenz zur Versorgungsinitiative von vergangener Woche haben wir auch klar gemacht, dass jedermann/frau die bessere Vorschläge hat die Versorgung zu verbessern herzlich eingeladen ist, das in konstruktiver Weise zu tun. So wie es jetzt ist, kann’s nicht weiter gehen. Auch das haben wir bei der Vorstellung der Initiative klar festgehalten.

Deshalb trifft mich die Aussage ich würde meine Eigeninteressen vor das Allgemeinwohl stellen und undifferenziert argumentieren besonders tief.
Und deshalb habe ich anlässlich der Preisverleihung diesem Ärger auch Luft gemacht.
Der Tag war durch das positive und das negative Ereignis emotional ziemlich überladen. An Schlaf war in der folgenden Nacht nicht zu denken.
Die betreffende Person hat den Text mittlerweile geändert und der Verband hat sich via Linkedin entschuldigt. Immerhin zeugt das von Grösse und trägt hoffentlich dazu bei, dass das Thema auch bei den Krankenkassen eine etwas andere Bedeutung erhält als bisher.

Denn Medikamente können nur dann wirken, wenn sie auch verfügbar sind. Und es bringt letztendlich nichts die Günstigsten vom Markt zu drängen, damit die Teuren mehr gebraucht werden.

Unter dem Strich überwiegt natürlich die grosse Freude über die riesige Anerkennung und die gewaltigen Reaktionen darauf. Im Spital, bei Freunden und Kollegen, in den Verbänden und weit darüber hinaus kamen sehr viele und schöne Reaktionen. Dies ist für mich Lohn und Anerkennung für die Arbeit und lässt mich solche Angriffe besser verdauen. Insbesondere motiviert es mich sehr, auf diesem Weg weiterzugehen.

Die grenzenlose Unterstützung der Krankenkassen bei Lieferengpässen…….

Nachtrag vom 7.2.2023:
Wir hatten ein gutes Gespräch mit dem BAG. Dieser Punkt soll demnächst geklärt werden, so dass die Regeln allen Kassen klar sein sollten. Ich bin zuversichtlich, dass dies gut kommt ….. so die Kassen es dann entsprechend umsetzen.

Ich habe mich schon wieder ziemlich geärgert. Diesmal über verschiedene Krankenkassen, die mit bürokratischen Irrsinn glänzen.

Ich war am 3.2. an einer Veranstaltung in Lausanne von Westschweizer Offizinapothekerinnen und habe über Lieferengpässe referiert. Referat ist hier verlinkt Grossisten waren auch vertreten. RTS (für die Sendung 36.9) hat Teile davon gefilmt.

In der Diskussion kamen aktuelle Dinge rund um den Umgang mit Lieferengpässen zur Sprache. Dabei war die Stimmung vis a vis von Krankenkassen gelinde gesagt etwas explosiv.

Gopferteli ist das abartig mühsam bis ihr begreift, dass das absoluter Stumpfsinn ist !!!!!!

Die Situation ist ja schon schwierig genug. Jetzt erhalten wir reihenweise Rückweisungen oder Nachfragen. Im Moment eskaliert das gerade.
Fast alle Nachfragen wollen von uns Beweise, dass ein bestimmtes Produkt an einem bestimmten Tag grad nicht lieferbar war. Ansonsten bezahlen sie das importierte Produkt nicht.
Das nachzuweisen wäre ja noch das eine.
Sie wollen jetzt tatsächlich, dass wir beweisen, dass wir am Tag der Abgabe bei sämtlichen schweizerischen Grossisten nachgefragt haben, ob wir allenfalls das Produkt noch kriegen würden. Die Grossisten müssen uns dafür Belege schicken. Auch solche, bei denen wir gar nicht Kunde sind.
Am Tag der Abgabe… das zeigt, dass ihr vom Alltag in der Apotheke wirklich absolut Null Ahnung habt und Euch auch über praktische Abläufe keinerlei Gedanken macht. Der Brief des BAG hält klar fest, dass es der Tag der Bestellung ist, so unter anderem… Oder habt ihr gedacht, dass wir aus reiner Freude in ganz Europa Waren suchen. Und das immer für jeden einzelnen Patienten. Die heissen ja Patienten, weil sie grundsätzlich ja Tage warten können. Und das alles am Tag der Abgabe tun ???

Aber sonst seit ihr wirklich noch gesund ? Was habt ihr eigentlich das Gefühl was wir den ganzen Tag machen ? Ist es wirklich noch nicht angekommen, dass wir uns in einer schwierigen Situation befinden und der Aufwand für uns eh schon enorm ist.
Jetzt legt ihr uns nochmal völlig blödsinnige bürokratische Hürden in den Weg.

Das zeigt einfach nur, dass ihr „lieben“ Krankenkassen weder praktisch denken könnt, noch dass ihr in Euren Büros versteht, was jetzt gerade abgeht. Etwas Verständnis ist nicht Euer Ding. Danke für das ! Das nimmt jetzt wirklich schon fast paranoide Züge an.

Jede zweite Rezepteinlösung hat irgend ein Problem und irgend ein Produkt, dass wir kurzfristig besorgen müssen. Und ja, es kommt auch vor, dass wir die an Lager legen, weil gewisse Therapien nun mal nicht warten können und wir die Patientinnen und Patienten sofort versorgen müssen. Machen wir alles zur eigenen Freude… Und wenn dann das Produkt am Tag der Abgabe grad wieder lieferbar wäre, dann schauen wir in die Röhre. So macht’s wirklich Spass. Wir fühlen uns von Euch getragen in der schwierigen Situation.
Das heisst, dass wir nun auch noch das volle Risiko tragen dürfen, weil wir sicherstellen wollen, dass z.B. eine antibiotische Therapie sofort beginnen kann. Habt ihr das Gefühl, dass sich die Versorgungslage nach Eurer Idee irgendwie verbessern würde ?

Eine Apotheke hat einen, maximal zwei Grossisten bei denen sie regelmässig bestellt und direkter Kunde ist. Selbstverständlich wird dort zuerst geschaut bevor importiert wird. Der Import ist übrigens gesetzlich geregelt und darf nur in bestimmten Situationen (eben bei Lieferengpässen) für eine/n bestimmte/n Patient/in erfolgen. Alles klar geregelt.
Und jetzt gehen bestimmte Krankenkassen noch einen Schritt weiter und verlangen, dass der Lieferengpass von jedem Grossisten einzeln schriftlich bestätigt wird. Auch von jenen, bei denen man gar nicht Kunde ist. Super. Wir haben ja sonst jetzt grad gar nichts zu tun !
Stellt Euch mal den Aufwand für die Grossisten, für uns und für Euch selber vor !!

Es fehlt jetzt noch, dass ihr von uns verlangt, dass wir in ganz Europa den günstigsten Preis suchen oder ihr nur den bezahlt. So wie es übrigens das BAG in der Vernehmlassung zur KVV/KLV Verordnung vorgeschlagen hat. Toll.

Also liebe Krankenkassen : wir machen gerne einen Printscreen der Grossistenmeldung, dass das Produkt nicht lieferbar ist, wenn wir es im Ausland bestellen. Oder eine Abfrage auf Drugshortage.ch, die ihr übrigens selber machen könntet … (ich habe dazu extra eine Abfrage für die vergangenen Lieferengpässe programmiert; gratis für Euch…) oder ein Printscreen der BWL Meldung (kommt aber jetzt nicht auf die Idee, dass wenn es in der BWL Liste nicht ist, dass ihr nicht zahlt. Ihr zeigt dann einzig noch einmal, dass ihr gar nichts versteht ..).
Weiter kann es nicht gehen. Etwas Vertrauen und Verständnis für die versch… Situation ginge ja auch.

Ziel ist es, die Medikamente so rasch wie möglich zu den Patientinnen und Patienten zu bringen. Jetzt geht ihr ca. 50 Schritte zu weit mit Euren sehr schlauen Ideen !

Ach ja, stimmt. Die eine Chefin hat ja gesagt, wie man das machen könnte. Würde aktuell übrigens grad extrem viel helfen….. das war damals schon ziemlich unseriös (Ende 2018; damals bereits über 500 fehlende Produkte) und ist es heute noch umsomehr, aber jetzt ganz offensichtlich Link auf den Videoausschnitt (Santémedia)


Die grenzenlose Unterstützung des BAG bei Lieferengpässen …….

Im Nachgang zum hier unten geschriebenen Blogeintrag hatte ich ein längeres Telefongespräch mit einer verantwortlichen Person beim BAG. Sie haben meinen „Anfall“ verstanden und suchen eine pragmatische Lösung im Rahmen des gesetzten Rechtsrahmens. Untenstehend was meinen Ärger ausgelöst hat. (Text in kursiv hier nachträglich eingefügt) Ich hoffe, dass bald möglichst eine pragmatische Lösung gefunden wird
Am 7.2. hat die entsprechende Sitzung stattgefunden, ich bin zuversichtlich, dass es gut kommt.

Es ist zum wahnsinnig werden….

Gestern am 1. Februar hat der Bundesrat die Versorgung mit Heilmitteln als „problematisch“ eingestuft. Insbesondere fehlen Antibiotika für Kinder.
Anfang Januar hatte das BAG mitgeteilt, dass die Apotheken nun Herstellungen solcher Arzneimittel abrechnen können. Dieser Entscheid hat uns erfreut, war das doch bei einigen Krankenkassen ein grosses Problem.
Wir haben das so zur Kenntnis genommen und entsprechend positiv kommentiert. Allerdings hatten wir damals noch ein paar Fragen, die mit dem Rundschreiben des BAG an die Krankenkassen nicht geklärt waren.
Es ging um die Regeln der Vergütung von importierten Arzneimitteln und es ging darum, ob man auch die Substanz der entsprechenden Arzneimittel kaufen dürfe und nicht zwingend Tabletten zerbröseln müsste.

Die Freude über den BAG Entscheid hat sich gestern und heute in Ärger verwandelt. Wir sind zurück auf Feld 0 – d.h. nicht mal auf Feld 1.
Eine Apothekerin hatte selber direkt beim BAG angefragt, weil sie einen konkreten Fall eines Importmedikamentes bei einem Lieferengpass hatte, das von der Krankenkasse zurückgewiesen wurde.
Antwort des BAG : es müsse ein Kostengutsprachegesuch eingeholt werden.

Ich habe dann nochmal nachgefragt, ob das wirklich ihr Ernst sei. Bei fast 1000 Arzneimitteln die fehlen, nebst dem riesigen Abklärungsaufwand zur korrekten Fortführung der Therapie ein Kostengutsprachegesuch stellen zu müssen.
Die Antwort : man habe Verständnis für die Situation, man solle doch einfach jedesmal bei der Krankenkasse nachfragen, ob sie zahlen würden….

Wenn die Antwort aufgrund der Rechtslage an eine einzelne Apothekerin geht, ist das ja noch eins. Wenn die gleiche Antwort aufgrund der Rechtslage an eine Krankenkasse gegeben wird, dann wird’s sehr schwierig.

Einfach mal praktisch durchgeturnt :
Eine Mutter kommt mit einem schreienden Kleinkind und einem Rezept für Amoxicillin Sirup in die Apotheke. Die Apotheke hat sich ein Importprodukt besorgt für die kurzfristige Hilfe.  Das heisst man müsste jetzt die Versicherung anrufen und sich durchtelefonieren, bis man jemanden hat, der Auskunft darüber erteilt, ob das Medikament nun bezahlt wird. Ist der Entscheid negativ, müsste man ein Kostengutsprachegesuch beim Arzt anfordern, das dann mit einer Reaktionszeit von 2 Tagen bearbeitet werden müsste. Gibt man das Medikament vorher, zahlt die Kasse die Therapie so oder so nicht.
Die Konsequenz : die Eltern zahlen selber.
Oder die Apotheke stellt die Rechnung trotzdem an die Kasse und riskiert auf den Kosten sitzen zu bleiben.
Tolles Gefühl für die Apotheke…. man hilft uns muss sich dann die Kappe waschen lassen…

Jetzt fehlt gerade noch der bisher leider auch ungeklärte Punkt, ob wir nun auch die Substanzen der nicht erhältlichen SL Produkte brauchen können statt das eben nicht erhältliche Produkt als Grundlage für die Herstellung wenn die Substanz nicht in der ALT ist. Dazu haben wir bisher kein Statement und hören bereits von Rückweisungen. 

Amoxicillin und Ibuprofen sind nicht in der ALT…..

Zur Erklärung ALT :
Das ist der Tarif, der die Vergütung der Herstellung in den Apotheken regelt.

Das habe ich hier beschrieben : https://www.enea-martinelli.ch/ibuprofen-sirup-ist-zurzeit-schwer-erhaeltlich-und-wenn-die-apotheken-in-herstellen-wird-er-von-den-krankenkassen-nicht-bezahlt/

Es hat dort noch Substanzen drin, die seit 1972 verboten sind. Dafür Ibuprofen und Amoxicillin nicht. Der neuste Eintrag ist von 2007… 
Letzte grosse Revision 1996. 

seither ist ein eidgenössisches Heilmittelgesetz eingeführt und bereits zwei mal revidiert worden.  HMG seit 2002; 1. Revision 201