Stau am Gotthard – braucht es eine zweite Röhre ?

Alle Jahre wieder : der Ferienstau am Gotthard.
Am letzten Wochenende waren es 16 km Richtung Süden und 9 km Richtung Norden. Und wieder werden die Stimmen laut, eine zweite Röhre zu bauen.
Macht das Sinn ?
Die Alpeninitiative, die die Verlagerung der Gütertransporte von der Strasse auf die Schiene verlangt ist vom Volk deutlich angenommen worden, sie ist umzusetzen. Die Verlagerung auf die Schiene hat hohe Priorität, insbesondere dann, wenn die Kapazitäten durch die Alpen ausgebaut sind. Wenn die Transportflut noch weiter ansteigt, gibt es eine weitere Möglichkeit die Kapazitäten am Lötschberg noch weiter zu erhöhen. Ein effizienter und kostengünstiger Transport auf der Schiene muss das Ziel sein. Die vielen unnötigen Transporte von Waren vom Norden in den Süden und zurück sind ein anderes Thema, das jedoch das Seine beiträgt.

Klar sind die Staus an den Wochenenden ein Ärger für jene, die drin stecken. Nur frage ich mich, weshalb unbedingt alle durch dieses eine Loch wollen. Im Sommer sind die Alpenpässe meistens offen. Für den Privatverkehr gibt es zahlreiche Ausweichrouten, nicht nur über den San Bernardino oder den Simplon. Bei den Holländern oder Deutschen, die nach Italien in die Ferien will ist es noch nachvollziehbar, dass der Gotthard gewählt wird. Das Navi weiss es nicht besser …; Bei den Schweizern ist es allerdings eher weniger zu begreifen, weshalb keine Alternativrouten gesucht werden.
Nach dem Ausbau der NEAT wird es auch für die Transporteure schwierig sein zu argumentieren, weshalb sie lieber im Stau stehen, anstatt die Güter mit der Bahn zu transportieren und so ihren Chauffeuren erst noch die notwendige Ruhezeit gönnen. Zudem : Die Lastwagen fahren primär unter der Woche, wo die Staus am Gotthard bedeutend kleiner sind. Umgekehrt sind es an den Wochenenden nicht die Lastwagen, die den Weg in den Süden verstopfen, sondern der Privatverkehr.

Die einzigen Argumente die für den Bau der zweiten Röhre sprechen sind deren zwei :  die Sicherheit im Strassenverkehr und die Versorgungssicherheit für das Tessin. Der Gotthardtunnel ist trotz seinem ansprechenden Ausbaustand ein gefährlicher Tunnel, weil er Gegenverkehr zu lässt. Mit einer Länge von über 16 km ist das Risiko einer Kollision mit ungeahnten Folgen relativ gross. Es ist ja nicht so, dass noch nie etwas passiert wäre. Es ist noch nicht lange her, dass es im Montblanc-Tunnel gebrannt hat und er für einige Zeit geschlossen war. Beim Gotthard wäre eine Schliessung über mehrere Wochen fatal, denn vor allem im Winter gibt es kaum mehr Zugangsmöglichkeiten ins Tessin. Ich verstehe deshalb die Tessiner Forderung nach einer zweiten Röhre sehr gut.
Der Druck steigt auch mit der anstehenden Sanierung während der der Tunnel während Monaten ganz geschlossen werden soll. Klar kann man den Autoverlad wieder einführen. Klar rollt dannzumal die Neat. Trotzdem steigen die Sorgen der Tessiner, denen man die Verbindung in die deutsche Schweiz zumindest stark einschränkt. Das Tessin gehört zur Schweiz.

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