Kolumne Bödeli Info November 2011

Nach rund 15 Monaten im Amt eines Grossrats habe ich mich an den politischen Betrieb im  Kantonsparlament gewöhnt. Es ist gar nicht so einfach sich in den sehr breiten Fächer von Themen einzulesen und dazu noch zu verstehen, was man gelesen hat. Die Unterlagen (einige kg) treffen auch erst rund 2 Wochen vor der Session ein.
Um sich unabhängiges Bild zu machen, Vor- und Nachteile abzuwägen und dann seriös entscheiden zu können, reicht die Zeit nur knapp. Es ist deshalb logisch, dass man sich auf seine Spezialgebiete konzentriert und sich dann an den Fraktionssitzungen von den Kolleginnen und Kollegen aus Ihren Kernthemen orientieren lässt. Dort werden die Anträge detailliert besprochen und ausdiskutiert bis die Meinung der Fraktion steht, respektive klar ist, wie die Mehrheitsverhältnisse innerhalb der Fraktion sind. Es wird auch vorher sondiert, wie sich die anderen Fraktionen äussern werden. Das heisst, dass sehr Vieles schon vor den eigentlichen Parlamentssitzungen klar ist.
Grossratssitzungen sind für die Zuschauer auf der Tribüne etwas sonderbar anzuschauen. Vorne spricht jemand und kaum Eine/r hört zu. Dieser Eindruck stimmt sogar. Denn bei jedem Geschäft ist jemand aus der Fraktion dazu bestimmt, die Diskussion zu verfolgen und die Kollegen zu informieren, falls sich neue, in der Fraktionssitzung noch nicht besprochene Aspekte ergeben. Das kann dazu führen, dass vorher gefasste Meinungen revidiert werden. Es kommt durchaus vor, dass die ganze Fraktion oder Teile davon sich während der Diskussion im Parlament neu entscheiden.
In unserer Fraktion sind die Themen der Gesundheits- und Spitalpolitik in grossen Teilen bei mir angesiedelt. Dort habe ich auch meine grössten Kompetenzen und kann die Erfahrungen mit einbringen.
Als ich vor fast 2 Jahren angefragt wurde, ob ich nicht für den Grossrat kandidieren möchte, konnte ich mir nicht vorstellen, was bei einer Wahl auf mich zu kommt. Natürlich hatte ich mich informiert, aber etwas vom Hörensagen zu kennen oder selber mit dabei zu sein, sind zwei Paar Schuhe. Mittlerweile bin ich überzeugt das Richtige getan zu haben. Ich kann meine Meinung einbringen und tatsächlich auch Dinge bewegen. Um das geht es ja letztendlich in der Politik. Nur um dort zu sitzen und nichts zu sagen bin ich nicht gewählt worden.

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