Ehrlichkeit währt am längsten

Kolumne Bödeli Info März 2013
Im vergangenen Dezember berichteten die Medien, dass die Regierung des Kantons Bern beschlossen habe, den Winterdienst in peripheren Gebieten des Kantons einzuschränken. Als dann der grosse Aufschrei kam, schloss die Presse darauf, dass dies eine der vom Grossen Rat beschlossenen Sparmassnahmen sei, manche gingen so weit und kommentierten, dass dies als Retourkutsche für die Senkung der Motorfahrzeugsteuern zu verstehen sei. Beides ist falsch :
Die Massnahme wurde von der Regierung schon im vergangenen Sommer, also schon vor der Abstimmung über die Motorfahrzeugsteuern beschlossen und kann also nicht als Retourkutsche interpretiert werden. Der Grosse Rat hatte zur verlängerten Wintersperre an der Grimsel und am Susten oder auch im Lauterbrunnental nichts zu sagen und hatte demzufolge auch keine Gelegenheit sich gegen solche Massnahmen zu wehren.
Es war in der Folge interessant zu beobachten, wie sich die Medien in die grundlegende Fehlinformation richtig gehend verbissen haben. Fast schon gebetsmühlenartig wurde vom Fehlentscheid des Grossen Rates berichtet. Selbstverständlich hat die zuständige Regierungsrätin diesen Aussagen beigepflichtet und gar noch ausgesagt, dass sie über die hiesigen Grossräte enttäuscht sei, dass sie sich nicht zur Wehr gesetzt hätten.
Es gab für sie ganz offensichtlich keinen Grund die Sachlage richtig darzustellen, einen eigenen Fehler zuzugeben und einzugestehen, die Massnahme selber getroffen und dabei die Folgen zu wenig abgewogen zu haben. Das Verschieben des schwarzen Peters ans Parlament respektive die lokalen Grossräte hat funktioniert und die Saat ist aufgegangen. Die Medien haben sich gegenseitig die unseriös recherchierten Geschichten abgeschrieben und in der Bevölkerung ist die Falschaussage haften geblieben : Das Parlament war nicht sensibel genug und hat in seiner Sparwut den Winterdienst eingeschränkt.
Selbstverständlich kann man über den Winterdienst an sich mit Fug und Recht diskutieren. Auch das Für und Wider von sinnvollen und weniger sinnvollen Sparmassnahmen darf diskutiert werden. Es geht mir hier nicht um das. Es geht mir um die Ehrlichkeit.
Die Arbeit mit Halbwahrheiten in der Politik wird mit freundlicher Unterstützung durch die Presse salonfähig gemacht, indem Falschaussagen unkritisch übernommen und wiederholt werden. Geglaubt wird jener Person, die ihre Anliegen am lautesten oder am prägnantesten formuliert. Ob sie der Wahrheit entsprechen scheint Nebensache zu sein.
Genau das ist es, was der Politik letztendlich ihren schlechten Ruf einträgt und genau das ist es was bei den Bürgerinnen und Bürgern Politikverdrossenheit hervorruft. Wem sollte man noch trauen, wenn man den politischen Exponenten nicht mehr glauben kann was sie sagen. Wie sagte Einstein : Wer es in kleinen Dingen mit der Wahrheit nicht ernst nimmt, dem kann man auch in grossen Dingen nicht vertrauen.

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