Gemeinsamkeiten von Möbeln und Medikamenten

Was haben Medikamente mit zusammensetzbaren Möbeln zu tun ?
Gar nichts auf den ersten Blick.
Zu zusammensetzbaren Möbeln gibt es meistens eine Anleitung. Insbesondere das grosse schwedische Möbelhaus hat gelernt, ihre Anleitung so zu schreiben, dass sie der Durchschnittsbürger versteht. Wer kennt das Gefühl nicht, wenn am Schluss des Zusammensetzens zu wenig Schrauben vorhanden sind und die Schranktüre schräg hängt. Man hat sogenanntes „Usertesting“ eingeführt und mit „Durchschnittsmenschen“ geschaut ob sie’s verstehen und was man verbessern muss. Die Brauchbarkeit dieser Anleitungen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen.
Und was hat das mit Medikamenten zu tun ?
Leider immer noch nichts : Usertesting für die offizielle Fachinformation (oder auch die Patienteninformation) ist zumindest in der Schweiz kein Thema. Dass man schaut, ob die Fachleute die an sie gerichtete Fachinformationen auch verstehen und v.a. sie brauchen können wäre doch eigentlich eine Grundvoraussetzung, damit die Fachinformation ihren eigentlichen Zweck erfüllt.
Bekannt ist, dass insbesondere das Pflegepersonal die Information darüber wie ein Medikament aufgelöst und über welche Zeit es verabreicht wird, über die vier Seiten Text meistens zusammensuchen (wir übersetzen es für sie). Am häufigsten rufen Ärztinnen und Ärzte bei uns in der Apotheke an, weil sie die relevante Information in der Fachinformation nicht finden.
Aber eben : Medikamente sind mit Möbeln kaum zu vergleichen.
Hier besteht noch Verbesserungspotential um mit dem schwedischen Möbelhaus wenigstens gleichzuziehen….. Die EU hat den Weg vorgezeichnet und Usertesting auch bei Fachinformationen für Medikamente eingeführt. In der Schweiz zeichnen sich solche Entwicklungen im Moment nicht ab.

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