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Wenn die Augen grösser sind als der Magen ….

Zum Vorstoss von Mauro Poggia und dem Applaus des Kassenverbandes prio.swiss betreffend den erleichterten Parallelimport von Arzneimitteln durch Apotheken.
Mauro Poggia will mit Parallelimporten Generika verbilligen

Die Definition von «parallel» lautet gemäss Duden: „gleichzeitig in gleicher oder ähnlicher Weise neben etwas anderem vorhanden“. Das setzt voraus, dass dieses „andere“ überhaupt als zugelassenes Arzneimittel in der Schweiz existiert.
Übertragen auf Arzneimittel bedeutet das: Ein Medikament muss in der Schweiz zugelassen sein, damit es überhaupt parallel importiert werden kann.
Ich bin nicht grundsätzlich gegen Parallelimporte. Aber nicht in der Form, wie sie von Mauro Poggia vorgeschlagen wird.
Die Aussage von Mauro Poggia und Prio.Swiss, der Vorstoss würde die Versorgungssicherheit verbessern, erschliesst sich mir nicht. Im Gegenteil.
Für mich fällt das eher unter den Titel: „Wenn die Augen grösser sind als der Magen.“
Das Denken scheint dort zu enden, wo mögliche Sparbeiträge im Raum stehen – unabhängig davon, ob diese überhaupt plausibel wären.
Bereits heute erlauben die geltenden Regeln, dass Apotheken im Falle von Versorgungsstörungen Medikamente aus dem Ausland importieren können.
Neu wäre lediglich, dass patentabgelaufene Medikamente mit einer „parallelen“ Zulassung in der Schweiz auch ausserhalb von Versorgungsstörungen ohne grössere Hürden parallel importiert werden könnten.
Das klingt zunächst attraktiv und könnte kurzfristig sogar einen gewissen – vermutlich eher bescheidenen – Kosteneffekt haben.
Mittelfristig dürfte es jedoch gravierende Konsequenzen haben. Das ist heute so absehbar wie das Amen in der Kirche. Und das ist keine Spekulation.
Wenn sich der Markt weiter ausdünnt, gibt es irgendwann schlicht nichts mehr, das man „parallel“ importieren kann.
Zuerst verschwinden selten verwendete Medikamente, dann Randformen, danach ältere und günstige Präparate.
Eine Spirale, die bereits heute in Gang ist – und die wir mit solchen Massnahmen aktiv weiter antreiben.
Und wir befinden uns keineswegs in einer Situation, in der wir behaupten könnten, diese Dynamik bereits im Griff zu haben.
Wenn diese Entwicklung eintritt, stellen sich einige grundlegende Fragen:
Haben wir ein Konzept, wie wir damit umgehen?
Wissen wir überhaupt, welche Medikamente für den Schweizer Markt kritisch sind, wenn sie verschwinden?
Gibt es ein tragfähiges Modell, wie Krankenkassen für nicht in der Schweiz zugelassene Alternativen aufkommen sollen – jenseits einer Flut von Kostengutsprachegesuchen?
Oder kapitulieren wir dann einfach?
Diese Fragen müssen vorher geklärt werden.
Sonst fahren wir sehenden Auges an die Wand.
Zum Thema Parallelimport habe ich bereits früher ausführlicher geschrieben – der Beitrag ist nach wie vor aktuell: Hey Lüt, simmer mal ehrlich ! | www.www.enea-martinelli.ch

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