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Die aktuelle Asyldiskussion und mein Eindruck aus Kos

ja wir waren in KOS in den Ferien – trotz Frankenstärke. Ich habe kein schlechtes Gewissen dabei. Auch nicht zu Wahlzeiten.

Wir haben einen Ausflug nach Bodrum gemacht. Die türkische Stadt ist mit dem Schiff von Kos Stadt aus bequem innert 45 Minuten erreichbar.
Zwischen Bodrum und Kos ist wohl auch eine der kürzesten Strecken, um übers Meer von Asien nach Europa zu gelangen. Schon rein wegen der relativ kurzen Meerespassage ist dieser Weg für Flüchtlinge vor allem aus Syrien weit sicherer als jener über Libyen und Lampedusa. So nehmen viele diesen Weg, um nach Europa zu gelangen.
So ist das Bild auf beiden Seiten ähnlich : auf fast jedem freien Flecken campieren Flüchtlinge. Sei es weil sie auf der einen Seite nach einer Überfahrtsmöglichkeit suchen, sei es auf der anderen Seite, weil sie dort angekommen sind und sich als Flüchtlinge registrieren lassen möchten. Nacht für Nacht findet das gleiche Katz- und Mausspiel statt : Die Türken sind um jeden Flüchtling froh, der ihr Land nachts auf den schwarzen Gummibooten verlässt. Die Türkei hat ja schon über 2 Mio Syrer in Flüchtlingslagern.
Die Griechen möchten sie nicht aufnehmen, unter anderem auch, weil es an allen Ecken an Geld fehlt. Rund um den Hafen von Kos-Stadt haben wir ein bedrückendes Bild gesehen : Flüchtlinge mit meist leerem Blick sassen teilnahmslos auf der Hafenmauer. Viele Frauen, meist jüngere. Viele kleine Kinder. Bei einer schwangeren Frau setzten die Wehen ein. Es hatte Griechen dort, die freiwillig halfen. Die Versorgungslage ist sehr schlecht.
Auf jedem freien Platz in der Stadt viele Zelte. Ein sehr bedrückendes Bild, das man nicht nur in den Ferien lieber nicht sehen möchte. Ich habe ganz bewusst kein Bild gemacht !
Da die griechischen Behörden den Ansturm hinten und vorne nicht bewältigen können fühlen sich viele Bewohner von Kos-Stadt im Stich gelassen, was zu den Spannungen führt von denen man auch in der Schweiz lesen kann.

Angesichts solcher Bilder ruft die Asyldiskussion in der Schweiz bei mir echt grosse Übelkeit hervor !
Kos hat rund 33000 Einwohner und aktuell 7000 Flüchtlinge. Und jede Nacht werden es mehr.
Und uns Schweizer geht das alles nichts an?
Klar : für all jene, die ihre Sprüche gleich nach der Testosteronausgabe im Fitnesstudio (in meinem nicht … ) oder nach dem fünften Feierabendbier dem grossen Mannitu nachlallen – klar für die gibt es nur ein Rezept : Grenzen dicht, Mauer drum, Asylstopp, jedes Asylzentrum bekämpfen etc etc. Geht uns schliesslich am A… vorbei und sowieso sind alle selber schuld. Sie brauchen ja nicht zu kommen, sind eh alles Schmarotzer unseres Sozialsystem und samt und sonders kriminell. So kurz zusammengefasst welcher Teil der Diskussion mir grausam auf den Senkel geht. Nicht erst seit ich die Bilder in Kos-Stadt gesehen habe.

Wir sind ein Teil Europas ob wir das nun wollen oder nicht. Und das heisst weder schleichender EU Beitritt noch dass ich in die EU will. Das ist reine Geographie. Dass es überhaupt Flüchtlinge gibt hat mit der globalen politischen Lage zu tun. Und die Schweiz ist auch ein Teil der Weltgemeinschaft.
Wenn wir verhindern wollen, dass immer mehr Flüchtlinge zu uns kommen, dann gibt es keinen anderen Weg als dieses Problem gemeinsam mit den anderen europäischen Staaten zu lösen !
Die Ideen das Problem vor Ort zu lösen ist zwar gut, aber mit Verlaub – auch das kann die Schweiz nicht allein und nimmt wohl sehr lange Zeit in Anspruch (und auch da setzt die Neutralität Grenzen).
Wenn wir dann Flüchtlinge aufnehmen, dann gilt es sie zu integrieren und nicht auszugrenzen. Was passiert wenn wir Ghettos schaffen zeigt uns Frankreich in einigen Banlieux.
Klar : das ist nicht einfach so zu haben, der Wille zur Integration und aktiven Mitarbeit muss vorhanden sein. Erst da ist für mich die Grenze zur härteren Gangart erreicht. „Internierungslager“ und Ausgangssperren für alle Flüchtlinge lehne ich ab. Bei Renitenten bin ich durchaus für geschlossene Lager. Einen Generalverdacht, dass alle Flüchtlinge kriminell sind halte ich jedoch für rechtsstaatlich bedenklich und schon gar nicht verfassungskonform. Ich bin auch der Meinung, dass man Flüchtlinge durchaus für Arbeiten einsetzen kann ( was bisher gesetzlich nicht geht und nicht weil sie nicht wollten wie das kolportiert wird auch um Stimmung zu machen) .
Kurz : Ich halte die von der SVP präsentierten „Lösungs“-vorschläge als weder zielführend noch verfassungskonform noch entsprechen sie in irgend einer Art der humanitären Tradition der Schweiz. Dass Probleme bestehen sehe ich durchaus und es besteht auch Handlungsbedarf. Dafür braucht es jedoch den Blick über den eigenen Gartenzaun hinaus !

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