Der Tessin gehört zur Schweiz
Kolumne Bödeli Info Juli 2012
Nach dem Felssturz bei Göschenen soll die Bahnstrecke durch den Gotthard für mindestens 4 Wochen geschlossen werden. Jetzt zeigt sich, dass der Ausbau der NEAT in zwei Achsen (Lötschberg und Gotthard) richtig war. Der Zugang nach Süden ist trotzdem stark eingeschränkt, zudem ist der Weg durch den Lötschberg/Simplon für die Versorgung des Tessins nur beschränkt geeignet. Die Alpeninitiative wurde vom Volk deutlich angenommen und ist umzusetzen.
Die Verlagerung auf die Schiene hat hohe Priorität. Wenn die Transportflut noch weiter ansteigt, gibt es die Möglichkeit die Kapazitäten am Lötschberg mit dem Ausbau auf zwei Spuren noch weiter zu erhöhen. Ein effizienter und kostengünstiger Transport auf der Schiene muss das Ziel sein. Nach dem Ausbau der NEAT wird es für die Transporteure schwierig sein zu argumentieren, weshalb sie lieber im Stau stehen, anstatt die Güter mit der Bahn zu transportieren und so ihren Chauffeuren erst noch die notwendige Ruhezeit gönnen.
Die aktuelle Situation zeigt aber, dass es trotzdem Argumente gibt, die für den Bau der zweiten Röhre sprechen. Der Gotthardtunnel ist trotz seinem ansprechenden Ausbaustand ein gefährlicher Tunnel, weil er Gegenverkehr zu lässt. Mit einer Länge von über 16 km ist das Risiko einer Kollision mit ungeahnten Folgen relativ gross. Es ist ja nicht so, dass noch nie etwas passiert wäre. Es ist noch nicht lange her, dass es im Montblanc-Tunnel gebrannt hat und er für einige Zeit geschlossen war. Beim Gotthard wäre eine Schliessung über mehrere Wochen fatal, denn vor allem im Winter gibt es kaum mehr Zugangsmöglichkeiten ins Tessin gerade in einer Situation wie sie sich gerade jetzt darstellt, wenn zusätzlich keine Züge fahren.. Ich verstehe deshalb die Tessiner Forderung nach einer zweiten Röhre sehr gut.
Der Druck steigt auch mit der anstehenden Sanierung während der der Tunnel während Monaten ganz geschlossen werden soll. Klar kann man den Autoverlad wieder einführen. Klar rollt dannzumal die Neat. Trotzdem steigen die Sorgen der Tessiner, denen man die Verbindung in die deutsche Schweiz zumindest stark einschränkt. Der Tessin gehört zur Schweiz, deshalb sind die Argumente ernst zu nehmen.