Use it or loose it … 

Kolumne Bödeli Info November 2012
In diesem Jahr immer wieder in den Medien waren Lieferengpässe bei den Medikamenten. Besonders betroffen von sind die Spitäler. Durch meine Funktion als ehemaliger Präsident und aktueller Leiter des Ressorts Politik der Spitalapotheker bin ich auch auf nationaler Ebene mitten im Geschehen drin. Bereits vor 10 Jahren haben wir davor gewarnt, dass gerade bei wichtigen aber trotzdem wenig gebrauchten Arzneimitteln der freie Markt an seine Grenzen stösst. Lebenswichtige Medikamente sind eben nicht mit Produkten zu vergleichen, bei denen eine geringe Nachfrage zu deren Elimination führt, sondern sie bleiben auch dann lebenswichtig, wenn sie selten verwendet werden. Damals wurden wir belächelt und die Problematik wurde heruntergespielt als Verteidigung von „Pfründen“ und was wir uns noch so alles anhören mussten. Die Zeit hat uns Recht gegeben. Genau deshalb setzen wir uns weiter dafür ein, dass die Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass diese Produkte verfügbar bleiben.
Das Gesundheitssystem insgesamt ist im Moment im Umbau in Richtung Wettbewerb, was an sich auch gut ist. Nur ist es hier nicht ähnlich wie bei den selten gebrauchten Medikamenten ? Auch hier hat der freie Markt seine Grenzen. Die eine Grenze ist die Qualität und die andere Grenze ist die Zugänglichkeit zum System vor allem für die peripheren Regionen. Der Wettbewerbsdruck wirkt wie ein reinigendes Gewitter in den Zentren. Auf der Gegenseite droht in der Peripherie dadurch die Ausdünnung des Angebotes und das Verschwinden von Grunddienstleistungen. Deshalb gilt es bei allen Bestrebungen nach der Liberalisierung und Einführung marktwirtschaftlicher Kriterien vorauszusehen, welche negativen Auswirkungen zu erwarten sind und diese gezielt anzugehen. Es kann nicht sein, dass sich die Gesundheitsversorgung künftig nur noch in den Zentren abspielt. Die Landbevölkerung hat genau so Anspruch auf eine gute Versorgung.
Allerdings ist hier nicht nur die Politik gefragt, sondern auch die Patientinnen und Patienten selber, die mit ihrem Verhalten darüber abstimmen, welche Versorgung sie haben möchten.
Nutzen sie lokale Angebote nicht, dann werden sie auch im Notfall nicht mehr zur Verfügung stehen.

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